Ärzte Zeitung online, 12.10.2017

Krebstherapie

Tödliche Alternative Alternativmedizin

Kommentar von Robert Bublak

Es ist nicht so, dass alternative Methoden in der Krebsmedizin keine Effekte haben würden. Nur bewirken sie zuallermeist nichts Gutes. Jedenfalls gilt das, falls zugunsten der Alternativmedizin auf die Standardbehandlung verzichtet wird.

Und wie es gilt. In einer Beobachtungsstudie haben sich Ärzte der Yale University School of Medicine angesehen, was mit Patientinnen und Patienten geschieht, die an nicht metastasierten Karzinomen erkrankt sind, aber auf konventionelle Therapie verzichten und sich stattdessen alternativmedizinischen Verfahren anvertrauen: Behandlungen ohne Wirknachweis, verordnet von Nichtmedizinern. Eine Wahl mit Folgen: Das Risiko, während der kommenden fünf Jahre zu sterben, war in der Studie für Brustkrebspatientinnen unter Alternativmedizin mehr als fünfmal so hoch wie unter konventioneller Behandlung mithilfe von Chirurgie, Strahlen-, Chemo- und Hormontherapie. Für Darmkrebspatienten war die Mortalität viereinhalbmal und für Patienten mit Lungenkrebs mehr als doppelt so hoch.

Auffällig war, dass die fürs Alternative Anfälligen im Schnitt eine bessere Ausbildung besaßen. Bildung und Skepsis gegenüber der sogenannten Schulmedizin scheint in vielen Köpfen zusammenzugehören. Auch wo Verstand ist, herrscht eben nicht immer Einsicht.

Lesen Sie dazu auch:
Onkologie: Alternativmedizin bei Krebs - als Monotherapie keine gute Wahl

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »