Ärzte Zeitung online, 12.10.2017

Onkologie

Alternativmedizin bei Krebs: Als Monotherapie keine gute Wahl

Was passiert, wenn Patienten mit Krebs in einem heilbaren Stadium auf konventionelle Behandlung verzichten und sich stattdessen auf Alternativmedizin verlassen? Erstaunlicher als das Ergebnis mutet an, dass es so etwas tatsächlich gibt.

Von Robert Bublak

Alternativmedizin bei Krebs: Als Monotherapie keine gute Wahl

Auf Alternativmedizin verließen sich 0,02 Prozent der Krebspatienten im untersuchten Register.

© photocrew / Fotolia

NEW HAVEN. Ärzte um Skyler Johnson von der Yale School of Medicine in New Haven, Connecticut, haben in der National Cancer Database der USA die Daten von 280 Patienten (mittleres Alter 62 Jahre) mit nicht metastasierten Malignomen der Brust, der Prostata, der Lunge und des Kolorektums analysiert, die auf jede konventionelle Therapie ihrer prinzipiell noch heilbaren Tumoren verzichtet hatten (J Natl Cancer Inst 2018; 110: djx145).

Statt auf Chirurgie, Strahlenbehandlung, Chemo- und Hormontherapie hatten sie auf alternative Medizin gesetzt. Darunter fielen Krebsbehandlungen ohne Wirknachweis, die von nichtmedizinischem Personal verordnet worden waren. Als Vergleichsgruppe wurden 560 merkmalsgleiche Patienten herangezogen, die ihren Krebs auf konventionelle Art hatten behandeln lassen.

Die Fünf-Jahres-Überlebensrate unter alternativmedizinischer Krebsbehandlung war deutlich niedriger als nach konventioneller Therapie, sie lag bei 54,7 vs. 78,3 Prozent. Nach Abgleich klinischer und soziodemografischer Einflussfaktoren war die Mortalität der alternativ Behandelten zweieinhalbmal mal so hoch (Hazard Ratio [HR] 2,50) wie bei den konventionell Therapierten. Von den alternativ behandelten Brustkrebspatientinnen lebten nach fünf Jahren noch 58,1 Prozent, nach konventionellen Maßnahmen waren es 86,6 Prozent (HR für Mortalität 5,68). Bei den Patienten mit Darmkrebs lauteten die Überlebensraten 32,7 vs. 79,4 Prozent (HR 4,57), für Lungenkrebs betrugen sie 19,9 vs. 41,3 Prozent (HR 2,17).

Einzig für Prostatakrebs ergab sich kein statistisch signifikanter Unterschied (86,2 vs. 91,5 Prozent, HR 1,68). Mit Blick auf den natürlichen Verlauf dieser Tumorerkrankung und die im Vergleich dazu kurze Nachbeobachtungszeit von median fünfeinhalb Jahren finden Johnson und Kollegen dieses Resultat nicht verwunderlich.

Ein Manko der Studie ist die fehlende Information dazu, welche alternativmedizinischen Verfahren tatsächlich angewendet worden sind. Die Forscher verweisen aber darauf, dass bisher nur begrenzte Hinweise – falls überhaupt – vorlägen, dass spezifische Alternativtherapien das Leben von Krebskranken verlängern könnten.

Wer als Krebspatient nur auf Alternativmedizin setzt und auf konventionelle Behandlung verzichtet, erhöht sein Sterberisiko – so die Schlussfolgerung der Yale-Mediziner. Allzu häufig kommt das freilich nicht vor, im untersuchten Register hatten sich nur 0,02 Prozent der Patienten für ein solches Vorgehen entschieden.

55% betrug die Fünf-Jahres-Überlebensrate von Patienten unter alternativmedizinischer Krebstherapie. Bei Patienten mit konventioneller Therapie betrug sie 78 Prozent.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Tödliche Alternative Alternativmedizin

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Marathon geht Amateuren richtig ans Herz

Wer sich als Amateur an einen Marathon wagt, ist trotz regelmäßigen Trainings kardial gefährdet. Studienautoren geben einen Tipp, um das Herz nicht so stark zu belasten. mehr »

„Das ist keine Propagandaschlacht“

Einige Passagen im geplanten Termineservice- und Versorgungsgesetz stoßen Ärzten sauer auf. Im Interview erläutern die drei KBV-Vorstände, warum sie zuversichtlich sind, dass sich Änderungen noch durchsetzen lassen. mehr »

TK senkt Zusatzbeitrag – Barmer nicht

Nach und nach geben die Krankenkassen ihren Beitragssatz für 2019 bekannt - nun tat dies die Kassen-Schwergewichte TK und Barmer sowie zwei weitere AOKen. Es zeichnen sich sinkende Zusatzbeiträge ab, aber nicht bei jeder Kasse. mehr »