Ärzte Zeitung online, 21.02.2018

Deutscher Krebskongress

Es gibt noch viel zu tun in der Versorgung Krebskranker!

Nicht nachlassen!: Mit diesem Plädoyer starteten Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Krebshilfe in Berlin den 33. Deutschen Krebskongress. Strukturmaßnahmen der Vergangenheit greifen, doch darauf ausruhen sollte sich Deutschland nicht.

Von Philipp Grätzel von Grätz

Es gibt noch viel zu tun in der Versorgung Krebskranker!

Prof. Dr. Rolf Kreienberg (r.) erhält die Karl-Heinrich-Bauer-Medaille 2018. Links: Prof. Peter Albers, Präsident der DKG.

© berlin-event-foto.de/DKK 2018

BERLIN. Für eine bessere Früherkennung und eine weiterhin konsequente Qualitätssicherung der Primärbehandlung sprach sich der Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, Professor Peter Albers aus Anlass der Eröffnung des 33. Deutschen Krebskongresses aus. "Wir sehen, dass politische Maßnahmen der letzten Jahre greifen. Auf diesem Weg müssen wir weiter fortschreiten", so Albers.

An Erfolgen der vergangenen Jahre nannte Albers neben dem Zertifizierungsprogramm der DKG unter anderem den Auf- und Ausbau der epidemiologischen Krebsregister, bei denen mittlerweile in allen Bundesländern eine Abdeckung von über 90 Prozent erreicht sei. Trotzdem liege Deutschland in europaweiten Vergleichen zur Qualität der Krebsversorgung epidemiologisch weiterhin nur im Mittelfeld, sodass weitere Strukturmaßnahmen erforderlich seien.

Einfache Maßnahmen, große Wirkung

Konkret hapere es in Deutschland bei vielen Tumoren noch an der Früherkennung, so Albers. Nicht zuletzt beim Prostatakarzinom, das in der Statistik der Krebstodesursachen bei Männern mittlerweile am Darmkrebs vorbei auf Platz zwei gerückt sei, müsse eine intelligente, risikoadaptierte Früherkennung flächendeckend etabliert werden. Auch in der Akuttherapie seien es nicht nur neue Therapien, sondern auch die Versorgungsstrukturen als Ganzes, die über das Überleben eines Patienten entscheiden.

Albers zitierte beispielhaft eine im Jahr 2017 publizierte Studie aus den USA, bei der allein die digitale Übermittlung so genannter Patient-Reported Outcomes mit einer Verlängerung des Gesamtüberlebens um sechs Monate einherging. "Wir brauchen dringend solche digitalen Instrumente, und sie sind relativ einfach zu implementieren", so Albers. Auch für die Etablierung nicht-ärztlicher Onko-Lotsen, die Patienten dabei helfen, sich im Versorgungsdschungel zurecht zu finden, sprach sich der DKG-Präsident mit Nachdruck aus.

Karl-Heinrich Bauer-Medaille für einen Vater der Zertifizierung

Nicht zuletzt für die erfolgreiche Umsetzung von Strukturmaßnahmen wurde im Rahmen der Eröffnung des 33. Deutschen Krebskongresses die Karl-Heinrich Bauer-Medaille verliehen, die höchste Ehrung, die die DKG zu vergeben hat. Sie ging in diesem Jahr an Professor Rolf Kreienberg, bis 2012 Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm, ehemaliger Präsident der DKG und seit 2015 Präsident der AWMF.

Kreienberg sei maßgeblich an den ersten Zertifizierungen von Brustkrebszentren in Deutschland vor rund 15 Jahren beteiligt gewesen, betonte Albers: "Er hat die Qualitätssicherung der Primärbehandlung gelebt und positiv besetzt, und die Früchte dieser Arbeit sehen wir heute. Zertifizierte Zentren behandeln bessern und liefern bessere Ergebnisse." Kreienberg machte in seinem kurzen Dankeswort diesen Nutzen konkret: "In Brustzentren, die die Leitlinien befolgen, überleben heute 20 Prozent mehr Patientinnen als vor 15 Jahren. Unsere Bemühungen wirken sich also unmittelbar für die Patienten aus."

Deutsche Krebspreise 2018 verliehen

Kongresspräsident Professor Thomas Wiegel von der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie der Universität Ulm gab abschließend die diesjährigen Preisträger des Deutschen Krebspreises bekannt, der in den Kategorien "Experimentell", "Translational" und "Klinisch" verliehen wird.

Der Deutsche Krebspreis 2018 in der Kategorie "Experimentell" ging an Professor Thomas Brabletz vom Lehrstuhl für Experimentelle Medizin I am Nikolaus-Fiebiger-Center for Molecular Medicine der Universität Erlangen für seine Forschung zur Pathophysiologie von Metastasen.

Den Deutschen Krebspreis 2018 in der Kategorie "Translational" erhielt Professor Michael Baumann, ehemals Direktor des Instituts für Radioonkologie am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, heute Wissenschaftlicher Vorstand des DKFZ in Heidelberg. Baumann wurde ausgezeichnet für seinen Beitrag zur Weiterentwicklung der Radioonkologie insbesondere bei Tumoren der Lunge und des Kopf-Hals-Bereichs.

In der Kategorie "Klinisch" schließlich wurde Professor Hartmut Goldschmidt ausgezeichnet, Leiter der Sektion Multiples Myelom der Medizinischen Klinik V am Universitätsklinikum Heidelberg. Er kümmert sich mit seiner Gruppe seit 1986 um die klinische Erforschung aller Phasen dieser Erkrankung in randomisierten und nicht-randomisierten Studien.

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