Ärzte Zeitung online, 19.11.2018

Wirkstoff aus dem Regenwald

Neuer Ansatz gegen Pankreaskrebs

WÜRZBURG. Ein Wirkstoff aus einer tropischen Regenwald-Liane hemmt das Wachstum von Pankreas-Krebszellen. Das haben Forscher aus Würzburg und Toyama entdeckt, teilt die Uni Würzburg mit. Die Substanz könnte damit Ausgangspunkt für die Entwicklung neuer Wirkstoffe gegen das Pankreas-Karzinom sein.

Weil Pankreas-Krebszellen sich ja aggressiv vermehren, verbrauchen sie im Tumorgewebe viel Nährstoffe und Sauerstoff. Während die meisten Zellen in einer solch extremen Mangelsituation absterben würden, überleben die Pankreas-Krebszellen, indem sie eine Signalkaskade (Akt / mTOR) auslösen.

Einige Forscher suchen daher gezielt nach Wirkstoffen, die diesen Signalweg unterbrechen. Substanzen, die unter „Hungerbedingungen“ auf Krebszellen bevorzugt toxisch wirken, bezeichnet man als Antiausteritäts-Verbindungen.

Die Wissenschaftler um Professor Gerhard Bringmann von der Uni aus Würzburg und Professor Suresh Awale von der Universität Toyama haben schon vor einiger Zeit mehrere strukturell außergewöhnliche Alkaloide mit Antiausteritäts-Potenzial entdeckt.

Den Forschern aus Japan und Würzburg ist mit der Isolierung und Strukturaufklärung von Ancistrolikokin E3 aus Zweigen der Liane Ancistrocladus likoko die Identifizierung einer neuen Substanz gelungen, die im Labor vielversprechende Wirkeigenschaften gegen PANC-1-Pankreas-Krebszellen zeigt (J Nat Prod 2018; 81: 2282–2291).

Ancistrolikokin E3 löst Veränderungen in der Morphologie der Krebszellen aus, die letztlich zu deren Tod führen. Zudem hemmt die Substanz die Wanderung von Krebszellen und deren Kolonie-Bildung. Das könnte potenziell helfen die Bildung von Metastasen zu unterbinden. Die Studien ergaben, dass die zellabtötende Wirkung der Substanz auf einer Hemmung des Akt / mTOR- und des Autophagie-Signalweges beruht, so die Uni Würzburg. Die Untersuchungen belegten somit, dass Ancistrolikokin E3, aber auch andere strukturverwandte Alkaloide, vielversprechende Substanzen für die Entwicklung neuer Onkologika basierend auf der Antiausteritäts-Strategie sein könnten. (eb)

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