Ärzte Zeitung, 09.12.2016

Lungen-Ca

Gleiche Therapiestandards in der EU

Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom werden in den großen EU-Mitgliedsstaaten leitliniengerecht behandelt, so das Ergebnis einer Studie.

WIEN. Leitlinien und Behandlungsstandards, die über Ländergrenzen hinweg eingehalten werden, bringen mehr Sicherheit für Patienten. Sie gewährleisten eine ähnliche Qualität in der Therapie – auf der Basis aktueller wissenschaftlicher Evidenz. Bei Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkarzinom ist dies in den "Großen Fünf" der EU (Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien) offenbar der Fall. Zu diesem Ergebnis kommt der Wiener Onkologe und Universitätsprofessor Thomas Brodowicz vom Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien und des Allgemeinen Krankenhauses Wien in einer Studie, die er beim Lungenkrebs-Weltkongress (IASLC 17th World Conference on Lung Cancer) vorgestellt hat.

"Die Behandlungsmodalitäten bei Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC) sind in den EU5-Ländern ähnlich. Es gibt kleine Unterschiede, was bestimmte Zeitabschnitte betrifft. Zumeist liegt das am jeweiligen Zulassungsdatum für neue Therapien und an deren Verfügbarkeit", wird der Onkologe in einer Mitteilung zum Lungenkrebs-Weltkongress zitiert. Der Experte hat die Fakten aus elektronischen Datenbanken, Studien und Kongressbeiträge über die in den einzelnen Staaten verwendeten medikamentösen Therapien bei fortgeschrittener NSCLC-Erkrankung analysiert. Bekannterweise wird nur ein kleiner Teil dieser Lungenkarzinome im Frühstadium entdeckt. Bei Patienten im fortgeschrittenen Stadium IV der Erkrankung ist die Therapie deshalb palliativ.

Für den Zeitraum der Jahre 2010 bis 2014 habe sich ein recht einheitliches Bild ergeben, heißt es weiter in der Mitteilung. "Die medikamentöse Ersttherapie bestand zumeist aus den Wirkstoffen Cisplatin, Carboplatin und Pemetexed. Andere medikamentöse Therapien beinhalteten auch Behandlungsregimes, welche eine Platin-basierten Modalitäten umfassten, zum Beispiel Bevacizumab oder in Studien verwendete neue Arzneimittel", stellte der Wissenschaftler fest. Sprachen die Patienten auf diese Erstlinien-Therapie nicht mehr an, kamen zumeist Substanzen wie Docetaxel (Taxan), Erlotinib (Tyrosin-Kinase-Hemer) oder Gemcitabine (Zytostatikum) zum Einsatz.

Ein Faktum, das sich bei der Datensammlung und Analyse allerdings herausstellte: Aus Großbritannien fehlten teilweise die Informationen über die verwendeten weiteren Therapieregime bei Versagen der ersten Therapielinie. Insgesamt aber scheinen Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom in den größten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union annähernd gleich und gemäß den europäischen und nationalen Leitlinien behandelt zu werden. (eb)

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