HPV-Impfung wirkt nach

Eine HPV-Impfung reduziert das Risiko, dass bereits infizierte und behandelte Frauen weitere HPV-assoziierte Erkrankungen infolge erneuter Infektion entwickeln.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Humanes Papillomavirus: Impfschutz wirkt auch nach der Infektion.

Humanes Papillomavirus: Impfschutz wirkt auch nach der Infektion.

© Sebastian Schreiter

WIEN. Eine Immunisierung gegen humane Papillomaviren (HPV) scheint sich auch für Frauen zu lohnen, die zum Zeitpunkt ihrer Impfung bereits infiziert waren.

Nach Behandlung der ersten Erkrankung sind geimpfte Frauen einer retrospektiven Studie zufolge für die kommenden zehn Jahre vor weiteren HPVassoziierten Erkrankungen besser geschützt.

Kann die tetravalente HPV-Impfung bei Frauen mit bereits bestehenden Genitalwarzen, vulvären oder vaginalen intraepithelialen Neoplasien (VIN oder VAIN) weitere HPV-assoziierte Erkrankungen verhindern?

Welchen Effekt hat eine solche Impfung bei Patientinnen, bei denen bereits zervikale intraepitheliale Neoplasien (CIN) entfernt wurden?

Diesen Fragen ging ein internationales Wissenschaftlerteam in der Subgruppenanalyse einer Studie nach, an der ursprünglich über 17.000 Frauen teilgenommen hatten (BMJ 2012; 344: e1401).

Die Probandinnen waren randomisiert mit dem tetravalenten Impfstoff (gegen die HPV-Typen 6, 11, 16 und 18) immunisiert worden oder hatten ein Placebo erhalten.

In der Subgruppenanalyse wurden nun retrospektiv die Daten von 1350 Frauen zwischen 15 und 26 Jahren ausgewertet, die zum Zeitpunkt der Impfung offenbar bereits mit HPV infiziert gewesen waren.

Bei ihnen wurden in der vierjährigen Nachbeobachtungszeit HPV-assoziierte Erkrankungen diagnostiziert oder es war in dieser Zeit eine Zervixoperation erforderlich.

Risiko für Dysplasien nach der Impfung gesunken

587 geimpfte Frauen und 763 Probandinnen der Placebogruppe mussten sich in der Nachbeobachtungszeit einer Zervixoperation unterziehen.

Im Schnitt 1,3 Jahre nach dem Eingriff hatten die geimpften Frauen ein um 46,2 Prozent niedrigeres Risiko für weitere HPV-assoziierte Erkrankungen als die Frauen der Placebogruppe (6,6 Erkrankungen / 100 Personenjahre versus 12,2; mindestens 60 Tage nach Op oder Neoplasiediagnose).

Das Risiko für nachfolgende höhergradige Zervixdysplasien war bei den geimpften Frauen um rund 65 Prozent geringer.

Auch bei Frauen, bei denen Genitalwarzen, VIN oder VAIN im Anschluss an die Impfung diagnostiziert und behandelt worden waren, wurden gut ein Jahr nach der Erstdiagnose rund 35 Prozent weniger erneute HPV-assoziierte Erkrankungen festgestellt als in der Placebogruppe.

Wie bereits aus früheren Studien bekannt, bestätigt diese Untersuchung, dass die Impfung die Entwicklung zervikaler Krebsvorstufen bei bereits vorliegender HPV-Infektion nicht aufhalten kann.

Trotzdem bietet sie auch bereits infizierten Frauen, deren Erkrankung behandelt wurde, einen gewissen Schutz vor weiteren Neoplasien. Denn eine Patientin kann sich nachfolgend sowohl mit anderen HPV-Typen als auch mit dem gleichen Typ erneut infizieren.

Die Autoren erinnern jedoch daran, dass nur Langzeitbeobachtungen zweifelsfreie Aussagen über den tatsächlichen Nutzen einer Impfung erlauben.

Quelle: www.springermedizin.de

Mehr zum Thema
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Wo lang im Gesundheitswesen? Der SVR Gesundheit und Pflege empfiehlt mehr Richtungspfeile für alle Akteure.

© StefanieBaum / stock.adobe.com

Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege

Gesundheitsweise empfehlen Primärversorgung für alle – und Quotierung der Weiterbildung

„Wenn die Politik Wissenschaftlern sagen würde, wir wollen dieses oder jenes Ergebnis, ist das Propaganda.“ Klaus Überla – hier im Treppenhaus seines Instituts – über Einmischungen aus der Politik.

© Patty Varasano für die Ärzte Zeitung

Interview

STIKO-Chef Überla: RSV-Empfehlung kommt wohl bis Sommer

Dr. Iris Dötsch Fachärztin für Innere Medizin, Diabetologin und Ernährungsmedizinerin hat die Hauptstadtdiabetologinnen, eines neues Netzwerk für Frauen in der Diabetologie, gegründet.

© snyGGG / stock.adobe.com

Hauptstadtdiabetologinnen

Ein Netzwerk für Diabetologinnen