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Retinoide und Impfung steigern Chancen bei Haut-Lymphomen

BERLIN (gvg). Die Haut ist bei vielen hämatologischen Tumorerkrankungen sekundär mitbetroffen. Primär kutane Lymphome allerdings, die in der Haut beginnen und zumindest sechs Monate auch auf die Haut begrenzt bleiben, sind rar. Etwa einer von 100 000 Menschen erkrankt jährlich an einem primären Lymphom der Haut, schätzen Dermatologen. Die B-Zellen sind dabei seltener die Ursache. In drei Vierteln aller Erkrankungen sind es kutane T-Zell-Lymphome (CTCL).

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Die CTCL können sehr unterschiedlich verlaufen. Bei einigen Varianten ist die Rate der Spontan-Remissionen hoch. Die Europäische Krebsorganisation EORTC unterscheidet aggressive Formen, bei denen die durchschnittliche Lebenserwartung weniger als fünf Jahre beträgt, wie das mit Hautrötungen, vor allem an Hand- und Fußflächen, beginnende Sézary-Syndrom, von indolenten Formen, wie die als Ekzem beginnende Mycosis fungoides, mit der Patienten zehn und mehr Jahre leben.

Gerade bei Patienten mit langsamen Verläufen sind wahre Therapie-Odysseen über die Jahre hinweg eher häufig als eine Ausnahme. Professor Reinhard Dummer, Dermatologe an der Universität Zürich, empfahl kürzlich in der Zeitschrift "Onkologie - International Journal for Cancer Research and Treatment" je nach Stadium der Erkrankung und bereits erfolgter Behandlung unter anderem topische Steroide, Photo- und Strahlentherapie, das Zytostatikum Methotrexat sowie Interferon-alfa.

Bexaroten ist eine neue Option zur Therapie

Noch recht neue Substanzen, die bei der Behandlung von Patienten mit kutanen Lymphomen immer erfolgreicher angewandt werden, bilden die Gruppe der Retinoide. Vor allem mit dem im vergangenen Jahr zugelassenen, oral einzunehmenden Retinoid Bexaroten kann auch bei vielfach behandelten Patienten eine Tumorremission erreicht werden.

Retinoide binden an Rezeptoren im Zellinneren. Der Komplex aus Medikament und Rezeptor lagert sich dann an die Erbsubstanz DNA an und beeinflußt so die Genaktivität. Vor allem Gene, die das bei Krebserkrankungen überschießende Zellwachstum anstoßen und unterhalten, werden durch Retinoide gebremst. Anders als ältere Retinoide wie das als Antipsoriatikum bekannte Acitretin bindet das neue Bexaroten vor allem an den Retinoid-X-Rezeptor, der den programmierten Zelltod, die Apoptose, reguliert.

Auch nach Vortherapien sind noch Remissionen möglich

Daß dieser Wirkmechanismus für die Therapie nützlich ist, belegen zwei klinische Studien der Phasen II oder III, an denen 152 mehrfach zuvor behandelte CTCL-Patienten mit unterschiedlichen CTCL-Subtypen teilgenommen haben. Unabhängig vom Stadium konnte nach einer mehrmonatigen Behandlung mit Bexaroten bei etwa der Hälfte dieser Patienten eine Rückentwicklung der Tumoren erreicht werden, wie Dummer beim Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Dermatologie in Berlin berichtet hat. Die Remission hielt im Mittel etwa 43 Wochen an.

Die Deutsche Krebsgesellschaft empfiehlt nach Angaben Dummers orales Bexaroten daher als Zweitlinienbehandlung für Patienten mit therapierefraktärem CTCL bereits ab dem frühen Stadium Ib. Noch nicht zugelassen ist in Deutschland topisch applizierbares Bexaroten als Gel, das in anderen Ländern bei CTCL-Patienten schon im Stadium Ia angewandt werden kann.

Zufrieden ist der Züricher Dermatologe mit dem bisher Erreichten noch nicht: Mit Kollegen arbeitet Dummer bereits an einer neuen therapeutischen Strategie für CTLC-Kranke, einer Impfung. Wie andere Forscher auf dem Gebiet der Krebsimpfstoffe benutzt auch Dummer patienteneigene, dendritische Zellen gewissermaßen als Fähren, mit denen zuvor aus Biopsien gewonnenes Tumormaterial an den Zielort gebracht wird. Im Falle von CTCL-Patienten wird direkt in die betroffenen Lymphknoten der Haut injiziert.

Ergebnisse von Pilotstudie lassen auf Impfung hoffen

Nach den kürzlich publizierten Ergebnissen einer Pilotstudie mit zehn Patienten (Blood 102, 2003, 2338) kam es bei fünf Patienten nach durchschnittlich sieben Impfungen zu einer Remission der Erkrankung. In einem Fall ist sogar eine komplette Remission erreicht worden, die nach Angaben Dummers noch anhält. Zwei weitere Patienten befinden sich weiterhin in einer Teilremission. Bei den übrigen beiden kam es fast zehn Wochen nach Ende der Behandlung zu erneutem Tumorwachstum.



FAZIT

Die Diagnose eines primär kutanen Lymphoms bedeutet oft eine jahrelange, therapeutische Odyssee, bei der die unterschiedlichsten Substanzen und Verfahren zum Einsatz kommen. Eine Behandlung mit dem neuen Retinoid Bexaroten bietet auch Patienten, die bereits vielfach vortherapiert wurden, eine etwa fünfzigprozentige Chance auf eine Tumor- remission. Gezielte Impfungen könnten künftig eine weitere Option sein.

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