Ärzte Zeitung online, 20.02.2013
 

UV-Schutz

Wer viel Auto fährt, braucht Sonnencreme

Zahlreiche Autofahrer wissen nicht um die Gefahr der UV-Strahlen während der Fahrt. Selbst Patienten, die bereits Hautkrebs hatten, ist nicht bewusst, dass sie zum Schutz vor Hautkrebs im Auto Sonnencreme auftragen sollten.

Wer viel Auto fährt, braucht Sonnencreme

Im Auto lauert die Gefahr für Hautkrebs.

© gradt/fotolia.com

STONY BROOK. Viele Autofahrer sind sich gar nicht bewusst, dass sie auch während der Fahrt UV-Strahlen ausgesetzt sind und deshalb vor Antritt der Reise Lichtschutzcreme auftragen sollten.

Die Unbekümmertheit findet man selbst bei Patienten, die bereits an Hautkrebs erkrankt sind, wie jetzt eine retrospektive Studie in den USA gezeigt hat. (JAAD 2013; online 5. Februar).

Um abzuklopfen, ob sich Autofahrer der Gefahr durch UV-Strahlen während der Fahrt überhaupt bewusst sind, haben US-Dermatologen in der Studie entsprechende Fragebögen an 675 US-Bürger verschickt.

Die meisten Studienteilnehmer hatten schon mal einen Hautkrebs

Die Probanden wurden unter anderem gefragt, ob sie glaubten, dass sie während der Autofahrt mit geschlossenen oder geöffneten Fenstern Sonnenschutz benötigten und dass sie im Wagen vor den UV-Strahlen geschützt seien.

Aufgrund einer früheren Erhebung gingen die Ärzte davon aus, dass jeder Autofahrer in den USA im Schnitt pro Tag zwischen 80 und 100 Minuten mit dem Wagen fährt.

Insgesamt 225 zurückgeschickte Fragebögen konnten für die Studie ausgewertet werden. Im Median waren die Teilnehmer 68 Jahre alt.

Mit einem Anteil von 56 Prozent waren die meisten Frauen. 89 Prozent aller Teilnehmer hatten sehr helle (Typ I) bis mittelhelle Haut (Typ III). 90 Prozent hatten bereits irgendeinen Hautkrebs in der Vorgeschichte: 30 ein Melanom, 102 Hautkrebs, aber kein Melanom, und zwölf beides.

UV-Schutz nicht sonderlich beliebt

Median fuhren Männer zehn Stunden und Frauen fünf Stunden pro Woche Auto, und zwar über einen Zeitraum von 50 bzw. 43 Jahren. Die Teilnehmer gaben an, in der Regel selbst am Steuer zu sitzen - in den USA ist das auf der linken Wagenseite - und meist während des Tages zu fahren.

Bei der Auswertung der Fragebögen stellte sich heraus, dass mehr als 53 Prozent der Teilnehmer mit Hautkrebs in der Anamnese glaubten, sie benötigten einen Sonnenschutz bei geöffnetem Fenster.

Bei Teilnehmern ohne Krebs in der Anamnese lag dieser Anteil nur bei etwas mehr als 18 Prozent. Unabhängig, ob krebserkrankt oder nicht, gingen die meisten Teilnehmer davon aus, dass Sonnenstrahlen auch bei geschlossenen Autofenstern schädlich sind.

Insgesamt betrachtet hielten die Befragten offenbar nicht besonders viel vom UV-Schutz. Nur 38 Prozent gaben an, Sonnenschutzmittel ganz allgemein und über die meiste Zeit zu verwenden.

Wenn es aber speziell um die Zeit beim Autofahren ging, bejahten das nur noch 15 Prozent - und das unabhängig davon, ob sie bereits Hautkrebs hatten oder nicht. Mehr als jeder zweite Befragte fuhr Autos mit getönten Scheiben.

Arme werden oft ausgespart

Jeder, der während Autofahrten Sonnenschutzcreme nutzte, trug sie auf die Haut von Kopf und Hals auf. Aber fast jeder Dritte von ihnen sparte Hände und Arme beim Eincremen aus.

Die meisten Studienteilnehmer mit Nicht-Melanom-Hautkrebs (62 Prozent) gaben - wie Teilnehmer früherer Studien - an, dass die Hautveränderungen auf der linken Körperseite auftraten, 80 Prozent der Melanompatienten hatten die Veränderungen aber rechts.

Warum entgegen anderen Studien Melanome in ihrer Studie eher rechts vorkamen, können sich die US-Dermatologen nicht erklären.

Das Studienergebnis bestätigt den Ärzten zufolge die Empfehlung, auch während Autofahrten Creme mit Lichtschutzfaktor auf die Haut aufzutragen, selbst wenn die Fenster geschlossen sind.

Windschutzscheiben lassen nur wenig Strahlen durch

Unbehandelte Scheiben wie die Seitenscheiben, lassen immerhin 60 bis 80 Prozent der UV-A-Strahlung durch, bei dunkel getönten Scheiben liegt der Anteil nur noch bei 11,4 Prozent.

Windschutzscheiben, die meist laminiert sind, lassen nur noch einen UV-A-Anteil von zwei Prozent durch. Spezielle Folien können den Anteil sogar auf nur noch 0,4 Prozent senken.

Unter diesen Voraussetzungen und angesichts der Tatsache, dass so wenige sich vor Autofahrten eincremten, sei es vielleicht sinnvoller, zur Krebsprävention mehr auf speziell verarbeitete Scheiben zu setzen, die kaum UV-Strahlen durchlassen, so die Dermatologen. (ple)

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