Ärzte Zeitung, 11.05.2005

Wandel in der Therapie bei kolorektalen Karzinomen

Primäre Operation beim Rektumkarzinom nur in sehr frühem Stadium / Mindestens 14 Lymphknoten müssen für Klassifikation untersucht werden

MÜNCHEN (sto). Bei der Behandlung von Patienten mit kolorektalem Karzinom muß seit kurzem bei der Therapieplanung strategisch zwischen Kolonkarzinom und Rektumkarzinom unterschieden werden.

Beim Kolonkarzinom steht in den meisten Fällen die Resektion im Vordergrund, die neoadjuvante, also präoperative Therapie ist eher die Ausnahme. Beim Rektumkarzinom dagegen ist das primäre Staging und die Therapiebahnung in Richtung einer neoadjuvanten Therapie oder einer primären Operation von vorrangiger Bedeutung.

Dieser Wandel in der Behandlung bei kolorektalem Karzinom sei sehr gut in der Leitlinienkonferenz Kolorektales Karzinom 2004 dokumentiert, so Privatdozent Dr. Frank Willeke von der Universitätsklinik Mannheim beim Chirurgenkongreß in München. Die Leitlinienkonferenz fand Mitte 2004 statt.

Einschneidend seien die Veränderungen, die sich in der Rektum-Ca-Therapie durch eine randomisierte Studie der Deutschen Rektumkarzinomgruppe ergeben haben (NEJM 351, 2004, 1731). Die Ergebnisse der Studie wurden inzwischen in eine S3-Leitlinie umgesetzt: Danach sollen beim Rektumkarzinom nur noch Tumoren im frühen Stadium - also in den Stadien T1 und T2 - ohne den Verdacht einer Lymphknotenmetastasierung primär operiert werden.

Höhergradige Tumorstadien seien für eine neoadjuvante Radio- oder Radio-Chemotherapie indiziert, berichtete Willeke bei einem von Hoffmann-La Roche unterstützten Symposium. Chirurgen hätten zudem die Aufgabe, auf Tumorabsiedlungen auf dem Peritoneum oder an der Leber zu achten oder auch eine Infiltration in Nachbarorgane zu beurteilen.

Die Überarbeitung der Konsensus-empfehlungen habe auch zu höheren Anforderungen an die Histopathologie geführt, berichtete Willeke. So werden nun mindestens 14 untersuchte Lymphknoten bei Lymphadenektomie gefordert, um außer Tumorinvasionstiefe und Grading sowie dem Resektionsstatus eine Klassifikation vornehmen zu können, nach welcher der Patient dann eine adjuvante Chemotherapie erhält.

Über adjuvante und neoadjuvante Therapien sollte nach Willekes Ansicht am besten ein onkologischer Arbeitskreis vor Beginn der Therapie und nachdem das Ergebnis der Histologie vorliegt entscheiden. Dabei sollten vor allem beim Rektumkarzinom Gastroenterologen, Hämatoonkologen, Strahlentherapeuten, Pathologen und Chirurgen in die Entscheidung eingebunden werden, empfahl der Onkologe.

Um in Kliniken die neuen Leitlinien umzusetzen und die Strukturen zu etablieren, habe es sich bewährt, für die jeweiligen soliden Tumoren Standards zu definieren. Diese "Hausstandards", die eine Zusammenarbeit von bis zu sechs Fachdisziplinen vorsehen, könnten dann auf einer DIN A 4 Seite kurz zusammengefaßt werden, so daß sie in der Kitteltasche Platz finden und jederzeit verfügbar sind.

Solche Standards seien bereits dann ein Erfolg, wenn 75 Prozent der Patienten danach behandelt werden, unabhängig davon, in welche Abteilung sie primär aufgenommen werden, so Willeke.

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