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Frauen mit Brustkrebs werden in NRW immer besser versorgt

DÜSSELDORF. In Nordrhein-Westfalen nimmt die Konzentration der stationären Behandlung von Patientinnen mit Brustkrebs in besonders qualifizierten Häusern Gestalt an.

Ilse SchlingensiepenVon Ilse Schlingensiepen Veröffentlicht:

Mit dem Klinikum Lippe-Lemgo und dem Klinikum Minden hat Landesgesundheitsministerin Birgit Fischer (SPD) die ersten Brustzentren des Landes anerkannt. Sie können nun die Versorgung der Frauen nach den von der Konzertierten Aktion gegen Brustkrebs definierten Kriterien aufnehmen. "Damit beginnt ein neues Zeitalter im Kampf gegen Brustkrebs", sagte Fischer bei der Fachtagung "Brustzentren - Neue Wege in Nordrhein-Westfalen und Europa" in Düsseldorf.

Brustzentren müssen strenge Vorgaben erfüllen

Die Konzertierte Aktion ging im April 2001 an den Start. An ihr wirken unter anderem die Kassenärztlichen Vereinigungen und Ärztekammern, die Krankenkassen, die Landeskrankenhausgesellschaft, Wohlfahrtsverbände und Selbsthilfegruppen mit. Ziel ist die Gewährleistung einer flächendeckenden qualitativ hochwertigen Versorgung von der Früherkennung über Diagnose und Therapie bis zur Nachsorge.

Um als Brustzentren in den Landeskrankenhausplan aufgenommen zu werden - und damit die entsprechenden Leistungen bei den Krankenkassen abrechnen zu können - müssen einzelne Häuser oder Klinik-Kooperationen festgelegte Bedingungen erfüllen. Dazu gehören die Durchführung von mindestens 150 Erstoperationen bei Neuerkrankungen im Jahr und mindestens 50 Eingriffe je Operateur, die Bildung regionaler Netzwerke unter anderem mit niedergelassenen Gynäkologen und Psychotherapeuten und die Einführung eines internen Qualitätsmanagements und der sektorübergreifenden Dokumentation.

Bislang führen rund 250 Kliniken des Landes Brustkrebsoperationen durch. Künftig wird es in Nordrhein- Westfalen rund 50 Zentren mit 70 Standorten geben. "Ich rechne damit, daß der größte Teil der Brustzentren bis Ostern 2004 in den Krankenhausplan aufgenommen werden wird", kündigte Fischer an.

Flankiert wird die Etablierung der Brustzentren von Maßnahmen zur Früherkennung, dem Ausbau psychosozialer Angebote und der Entwicklung einer elektronischen Patientenakte.

Ein entscheidender Faktor der Brustzentren sei die Arbeit nach den aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaften, sagte Professor Hans Georg Bender, Vorstandsvorsitzender der Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen. "Die Leitlinien-gestützte Behandlung muß sicherstellen, daß innovative Diagnose- beziehungsweise Therapie-Komponenten zügig zum Bestandteil der allgemeinen Versorgungsangebote werden." Wichtig sei auch die Verpflichtung der Kliniken, mit Qualitätsmanagement-Programmen und einer aussagekräftigen Dokumentation zu arbeiten. "So läßt sich nachvollziehen, wo das Krankenhaus steht und wie es sich entwickelt", sagte Bender.

Ein Jahr nach der Anerkennung und danach alle drei Jahre müssen sich die Kliniken zertifizieren lassen. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) prüft, ob die Kliniken die Vorgaben der Konzertierten Aktion und der Disease-Management-Programme (DMP) Brustkrebs erfüllen. Langfristig können nur anerkannte Brustzentren am Disease-Management-Programm teilnehmen.

Mit der Zertifizierung der Zentren werden neue Dimensionen eröffnet, erwartet der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe Professor Ingo Flenker. "Es geht um die Qualität der Strukturen, Prozesse und Ergebnisse kompletter ärztlich geleiteter Einrichtungen."

Den mit der Zertifizierung verbundenen hohen Anforderungen könne die Ärztekammer gerecht werden. "Wir verfügen gegenüber den Wettbewerbern auf dem freien Markt über ein Höchstmaß an Fachlichkeit und gehen davon aus, daß wir damit auch sehr schnell einen Akzeptanzvorteil erreichen werden", sagte Flenker. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe wird ausschließlich mit ärztlichen Auditoren arbeiten.

NRW heimst für seinen Weg auch Lob von außen ein

Karin Jöns, die für die Sozialdemokraten im Europäischen Parlament sitzt, sieht in der Entwicklung in Nordrhein-Westfalen einen beispielhaften Weg für die Versorgung von Frauen mit Brustkrebs. Sie lobte auf der Tagung die Konzentration der Behandlung in besonders qualifizierten Häusern.

"Es kommt einer gesundheitspolitischen Revolution gleich, wenn nur noch ein Fünftel der Krankenhäuser Brustkrebs-Operationen erbringen dürfen." Immer noch gebe es zu viele selbsternannte "Brustkrebs-Experten", kritisierte sie.

In der Europäischen Union stehe die Bekämpfung des Brustkrebs ganz oben auf der gesundheitspolitischen Agenda, berichtete die Europa-Parlamentarierin. "Wir wollen nicht länger akzeptieren, daß es in vielen Ländern der Europäischen Union einem Glücksspiel gleichkommt, ob Brustkrebs rechtzeitig erkannt und richtig behandelt wird."

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