Ärzte Zeitung, 28.02.2005

Frauen mit Brustkrebs profitieren von neuem Kinase-Hemmer

Ermutigende erste Studien-Ergebnisse mit Lapatinib

DURHAM (ple). Die Zahl der Kinase-Hemmer für die Krebstherapie, die in die klinische Prüfung gelangen, nimmt weiter zu. Dazu gehört der Hemmstoff Lapatinib. Erste Ergebnisse einer kleinen Studie belegen, daß Krebs-Patienten auf die orale Therapie ansprechen, unter anderem gemessen am programmierten Tod der Krebszellen.

Der Erfolg des Kinase-Hemmers Imatinib bei der Behandlung von Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie belegt, daß die gezielte Hemmung jener Signalkaskaden, die die Zellproliferation ankurbeln, therapeutisch sehr erfolgreich sein kann. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe weiterer derartiger Hemmstoffe, die bereits zugelassen sind oder - wie die meisten - in frühen Phasen der klinischen Entwicklung sind. Dazu gehört Lapatinib (GW572016) von GlaxoSmithKline. Inzwischen ist die Substanz in der klinischen Prüfung.

Vier Patienten mit Brustkrebs haben partiell angesprochen

In einer kleinen Studie mit 33 Patienten, die an verschiedenen Krebsarten erkrankt waren, konnten Onkologen unter anderem vom Medizinischen Zentrum der Duke-Universität in Durham in North Carolina anhand erster vorläufiger Ergebnisse zeigen, daß manche Patienten von einer Behandlung mit dem oral verabreichten Enzymhemmer tatsächlich profitieren (J Clin Oncology Online), auch wenn eine endgültige Beurteilung noch aussteht.

Ein partielles Ansprechen sei bei vier Patienten mit Brustkrebs erzielt worden, und bei elf Patienten mit verschiedenen anderen Tumorarten sei der Krankheitszustand stabil geblieben, so die Onkologen. Die Patienten hatten zu Beginn der Studie bereits Metastasen und waren schon intensiv chemotherapeutisch behandelt worden.

Anhand biologischer Marker stellten die Ärzte fest, daß jene Patienten mit Brustkrebs, die ein partielles Ansprechen erreichten, vor der Behandlung verstärkt den Marker p-ErbB2 synthetisierten. Dieses Molekül ist ein aktivierter epidermaler Wachstumsfaktor, der die Proliferation von Krebszellen unterhält.

Empfindlichkeit für Tamoxifen läßt sich wieder herstellen

Es gibt bereits Antikörper wie Trastuzumab und Enzymhemmer wie Gefitinib, die die Signalkette über diesen Wachstumsfaktor unterbrechen. Weitere Marker, die durch die Lapatinib-Therapie gehemmt werden, sind Cyclin D und der Faktor TGF-alpha. Sie stehen an Schlüsselpositionen der Signalketten zur Zellvermehrung.

Zudem haben präklinische Studien ergeben, daß mit Lapatinib sogar die Empfindlichkeit für Tamoxifen bei Östrogen-Rezeptor-positiven Brustkrebszellen wiederhergestellt werden kann (Cancer Res 65, 2005, 18). Das Antiöstrogen Tamoxifen verdrängt Östrogen von seinem Rezeptor, die Krebszellvermehrung wird verhindert. Lapatinib plus Tamoxifen sorgt dafür, daß in Tamoxifen-resistenten Krebszellen die Menge des p21-Proteins wieder zunimmt. Dessen Verlust geht mit einer schlechten Prognose bei Brustkrebs einher, da es die Krebszellvermehrung drosselt.

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