Ärzte Zeitung, 10.10.2005

Die sequentielle Hormontherapie ist neue Option bei Brustkrebs

Umstellung von Tamoxifen auf den Aromatasehemmer Exemestan bringt Vorteile

STUTTGART (ars). Eine gemischte Hormontherapie könnte sich als neuer Standard zur adjuvanten Behandlung bei Frauen mit Brustkresbs etablieren. Hierbei erhalten die Patientinnen in der Postmenopause statt wie bisher fünf Jahre nur zwei bis drei Jahre Tamoxifen und danach den Aromatasehemmer Exemestan.

Mammographie: Für Frauen, bei denen Brustkrebs etwa durch Röntgen früh diagnostiziert wird, zeichnen sich neue Therapiestandards ab. Foto: klaro

Für die sequentielle Behandlung haben sich mehr als zwei Drittel der Experten auf der Konsensus-Konferenz in St. Gallen ausgesprochen. Vor kurzem hat Exemestan in Deutschland bereits die erweiterte Zulassung erhalten, und zwar für die sequentielle, adjuvante Behandlung von Frauen in der Postmenopause mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs.

Die Erweiterung der Zulassung basiert auf den Ergebnissen der Intergroup Exemestane Study (IES), an der über 4700 Patientinnen teilgenommen haben (wir berichteten).

Sie waren nach der Menopause an einem Mamma-Ca mit Östrogenrezeptoren erkrankt. Zunächst erhielten alle Frauen zwei bis drei Jahre das Antiöstrogen Tamoxifen, dann wurden sie randomisiert auf zwei Gruppen verteilt: Die eine bekam weiterhin Tamoxifen und die andere stattdessen Exemestan (Aromasin®).

Durchschnittlich 30,6 Monate nach der Randomisierung gab es die erste Zwischenauswertung: Demnach war mit der frühen adjuvanten Sequenz-Therapie (FAST) die krankheitsfreie Überlebensrate signifikant höher als mit der fünfjährigen Standardtherapie mit Tamoxifen (NEJM 350, 2004, 1081).

Nun liegen die Daten der zweiten Zwischenauswertung 37,4 Monate nach Randomisierung vor: Mit Exemestan waren signifikant weniger Rezidive aufgetreten als bei Frauen, die fünf Jahre nur Tamoxifen bekommen hatten. Das bedeute für die Patientinnen im FAST-Arm einen Vorteil von 3,8 Prozent beim krankheitsfreien Überleben, so Professor Fritz Jänicke von der Universitäts-Frauenklinik Hamburg-Eppendorf.

"Bemerkenswert ist, daß alle Frauen einen Nutzen haben, ob die Karzinome Progesteronrezeptoren tragen oder nicht, ob die Lymphknoten befallen oder frei sind, ob zuvor eine Chemotherapie stattgefunden hat oder unterblieben ist", sagte Jänicke auf einem Symposium von Pfizer Oncology.

Beim Gesamtüberleben sei eine signifikante Verlängerung zwar nicht erreicht worden, aber es deute sich ein Trend in diese Richtung an. Signifikant reduziert ist bei Umstellung auf den Aromatasehemmer die Zahl der Fernmetastasen. Und: Knochenbrüche treten nicht signifikant häufiger auf als mit Tamoxifen.

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