Ärzte Zeitung, 30.09.2008

Kommentar

Feinjustierte Genberatung

Von Nicola Siegmund-Schultze

Wissen ist nicht unbedingt Gewissheit. Das gilt auch für Tests bei schweren Erkrankungen wie Malignomen. Wie hoch ist das Lebenszeitrisiko bei noch Gesunden? Wie ist die Prognose? Wie wird, bei bereits diagnostiziertem Karzinom, das Ansprechen auf die Therapie sein?

In einer US-Studie haben sich 41 Prozent der Eltern, die sich auf die Veranlagung für Brustkrebs testen ließen, für Tests auch bei Minderjährigen ausgesprochen. Die Tatsache, dass es dafür keine medizinische Indikation gibt, sollte auch in Deutschland aufmerksam machen: Es gibt Forschungsbedarf für die Beratung. Sie muss feinjustiert werden, also den wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst sein.

Mit einem Gendiagnostik-Gesetz, für das die Bundesregierung kürzlich Eckpunkte vorgestellt hat, sollte die Qualität der Beratung gewährleistet werden. Dies wünschen sich vermutlich die meisten Patienten. Sollten einige - wie schon bei den Vaterschaftstests - künftig einen privaten Markt für Gendiagnostik nutzen, wird der Staat das nicht verhindern können. Die Ärzteschaft aber müsste klar und rechtzeitig Stellung beziehen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Gentests auf Brustkrebs schon bei Minderjährigen sind umstritten

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