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Brust- und Darmkrebs

Erreger in Fleisch unter Verdacht

An der Entstehung von Brust- und Dickdarmkrebs könnten Infektionserreger beteiligt sein, die vor allem in rotem Fleisch und Milch vorkommen. Noch fehlen die Beweise - Forscher in Heidelberg wollen das ändern.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Schon länger gibt es die Vermutung, dass der Verzehr von rotem Fleisch das Krebsrisiko erhöht.

Schon länger gibt es die Vermutung, dass der Verzehr von rotem Fleisch das Krebsrisiko erhöht.

© Foxy_A / fotolia.com

HEIDELBERG. Der Medizinnobelpreisträger von 2008, Professor Harald zur Hausen, vermutet schon lange ein infektiöses Agens als Auslöser für das kolorektale Karzinom, das Mammakarzinom und andere Krebserkrankungen.

Einen entsprechenden Faktor in Milch von Rindern bezeichnet er als BMF (Bovine Milk Factor). Man nimmt an, dass der BMF, um schließlich karzinogen wirksam zu werden, einer genetischen oder epigenetischen Modifikation innerhalb der "befallenen" Zelle bedarf.

Schon lange hat sich der Verzehr von rotem Fleisch - also Schweine-, Rind-, Kalb- und Lammfleisch - in prospektiven epidemiologischen Studien als Risikofaktor für Darmkrebs herausgestellt.

Zur Hausen fühlt sich durch solche epidemiologischen Daten bestätigt. Er hat daher die "Abteilung Episomal-Persistierende DNA in Krebs- und chronischen Erkrankungen" am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg mit initiiert.

Assoziation mit Rindfleischkonsum

Infektionen als Ursache von Krebs

Etwa 20 Prozent aller Krebserkrankungen werden durch Viren oder andere Infektionserreger verursacht.

Zu den kanzerogenen Erregern gehören vor allem Hepatitis-B- und -C-Viren sowie humane Papillomviren, aber auch Bakterien wie Helicobacter pylori.

Betroffen von infektionsbedingten Krebserkrankungen sind vor allem chronisch infizierte Menschen in Entwicklungsländern.

Unter den Hindus in Indien, die kein Rindfleisch essen, ist die Darmkrebs-assoziierte ASR (altersstandardisierte Inzidenzrate) mit jährlich 5,94 pro 100.000 Einwohner sehr niedrig (JAMA Oncol 2015; 1(4): 505-527).

Allerdings: Ähnlich niedrig liege die ASR zum Beispiel auch in der Mongolei (jährlich 7,86 / 100.000) bei hohem Fleischkonsum. Die Mongolen verzehrten dabei sehr häufig rotes Fleisch, der Anteil von Rindfleisch beträgt 40 bis 50 Prozent .

Dabei würden aber andere Rinderarten als in Europa verzehrt, etwa der Yak (Grunzochse). Schließlich habe zwar in China der Verzehr von rotem Fleisch in den vergangenen Dekaden stetig zugenommen, jedoch liege die ASR mit 15,93 / 100.000 vergleichsweise niedrig.

 Dabei stelle Schweinefleisch mit 80 Prozent den größten Anteil. Die Vergleiche ließen vermuten, dass nur ganz bestimmte Rindfleischsorten das Risiko für Darmkrebs erhöhten.

Ähnliche Zusammenhänge stellten Wissenschaftler bei der Entstehung von Brustkrebs fest. Allerdings spielt hier jedoch möglicherweise noch der Milchkonsum eine Rolle.

In Indien etwa, wo dieser in den vergangenen fünf Dekaden drastisch gestiegen sei, liege die Brustkrebsrate mit etwa 31 / 100.000 deutlich höher als die Darmkrebsrate. Und in Bolivien, wo die Einwohner nur wenig Kuhmilch trinken, ist die Brustkrebsinzidenz vergleichsweise gering.

Infektionsverdacht auch bei MS

Die Unterschiede der Brust- und Darmkrebsrate in den genannten Ländern korrelierten mit den unterschiedlichen Verzehrsraten von rotem Fleisch und Milch, so zur Hausen.

Zugleich wies er darauf hin, dass nach Auswertung von Daten des schwedischen Krebsregisters eine Laktoseintoleranz, die mit einer verminderten Aufnahme von Milchprodukten einhergeht, das Risiko für Brustkrebs um 21 Prozent senkt (Brit J Cancer 2015; 112: 149-152).

Schließlich wurde in den vergangenen Jahren immer wieder auch die Entstehung von multipler Sklerose (MS) in Verbindung mit dem Verzehr von Kuhmilch und Milchprodukten gebracht.

Da von seiner Arbeitsgruppe mehrere neuartige DNA-Moleküle, wahrscheinlich viralen Ursprungs, in Rinderseren und Milchprodukten entdeckt worden sind, plädiert zur Hausen dafür, das Konzept, in dem die Moleküle ätiologisch diskutiert werden, weiter zu überprüfen (Clin Oncol 2015; online 15. September).

Er erinnert daran, dass in Autopsieproben des Gehirns von MS-Patienten ringförmige DNA-Moleküle nachgewiesen wurden, die denen sehr ähnlich sind, welche man in Milch und Milchprodukten aufgespürt hatte (Genome Announc 2014; 2(4): e00849-14).

Der Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und der neurologischen Erkrankung hatte sich früher bereits aus epidemiologischen Studien ergeben.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Hartnäckigkeit zahlt sich aus

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