Ärzte Zeitung, 15.02.2017
 

Thorax-CT bei Nierenkrebs

Ja oder nein?

Italienische Ärzte haben ein Nomogramm entwickelt, mit dem sich bei Nierenkrebs die Wahrscheinlichkeit, im Thorax-CT Lungenmetastasen zu entdecken, abschätzen lässt.

Von Peter Leiner

MAILAND. Ärzte um Dr. Alessandro Larcher vom San Raffaele Scientific Institute in Mailand suchten anhand von Daten, die zwischen 1987 und 2015 erhoben worden waren, und mithilfe einer Modellrechnung nach Kriterien, die bei der Entscheidung für oder gegen ein präoperatives Thorax-CT (CCT, Chest CT) bei Nierenkrebspatienten helfen können. Als positiv wurde ein CCT-Ergebnis gewertet, wenn Lungenmetastasen nachgewiesen wurden, definiert als eine oder mehrere Läsionen im Lungenparenchym mit Verdacht auf Tumorabsiedelungen. Die für das Modell berücksichtigten Prädiktoren waren das präoperative Tumor- und Nodalstadium, Vorhandensein systemischer Symptome sowie das Thrombozyten / Hämoglobin-Verhältnis. Als mögliche Kofaktoren berücksichtigten die Ärzte in ihrem Modell zudem außer dem Alter zum Zeitpunkt der Diagnose und dem Geschlecht auch den BMI, den Charlson Comorbidity-Index (CCI) und die Tumorgröße (BJU Int 2016; online 29. September).

Die Auswertung der Befunde ergab bei 6 Prozent (n = 119) der Patienten ein positives Thorax-CT-Ergebnis. Bei 94 Prozent (n = 1827) war der Befund negativ. Deutlich mehr Patienten mit einem positiven CT-Ergebnis hatten einen Tumor im Stadium cT2 oder höher (76 versus 21 Prozent), ein cN1-Nodalstadium (51 versus 12 Prozent), systemische Symptome (39 versus 6 Prozent), einen niedrigeren präoperativen Hb-Wert (11,5 versus 13,6 g / dl) und eine höhere Thrombozytenzahl (289 versus 230 x 109 / l).

Mithilfe der multivariaten Regressionsanalyse stellten Larcher und seine Kollegen fest, dass die Wahrscheinlichkeit für ein positives CCT mit dem Tumorstadium stieg. So war sie im Vergleich zum Stadium cT1a beim Stadium cT3 / cT4 um mehr als das 15-Fache höher (Odds Ratio [OR]: 15,4; 95%-Konfidenzintervall zwischen 6,73 und 35,3; p < 0,0001). Desgleichen waren der cN1-Nodalstatus (OR: 3,21), systemische Symptome (OR: 3,88) und das Thrombozyten / Hb-Verhältnis (OR; 1,04) mit einem erhöhten Risiko für ein positives CCT assoziiert.

Aus der Analyse geht zudem hervor, dass Patienten von einem unnötigen CCT verschont werden, wenn die Bildgebung bei einer Wahrscheinlichkeit für ein positives Ergebnis von über 1 Prozent erfolgt. Das ist schon der Fall, wenn nur einer der vier Prädiktoren vorliegt. Desgleichen wird rein rechnerisch nur bei 0,2 Prozent der Untersuchten ein positiver Befund übersehen, wie die Wissenschaftler berichten. Das Ergebnis einer präoperativen Vorhersage anhand der verwendeten Parameter sei schließlich mit einem Konkordanzindex von 0,88 (95%-Konfidenzintervall zwischen 0,85 und 0,91) recht präzise.

In Deutschland wird in den aktuellen S3-Leitlinien von 2015 "Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Nierenzellkarzinoms" konsensbasiert zur risikoadaptierten Nachsorge nach Lokaltherapie des nicht metastasierten Nierenzellkarzinoms empfohlen, "ein CT des Thorax unter Einbeziehung des Knochenfensters" anzubieten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »