Ärzte Zeitung, 06.12.2005

Nützt Dutasterid bei hohem Prostatakrebs-Risiko?

5-alpha-Reduktasehemmer wird jetzt zur Primärprävention bei 8000 Männern geprüft / PSA-Werte bis zu 10 ng/ml

DÜSSELDORF (grue). 5-alpha-Reduktase-Hemmer senken vermutlich die Rate aller Prostata-Tumoren unabhängig von deren Aggressivität. Diesen Schluß legt eine Neubewertung der PCPT-Studie mit Finasterid bei Männern mit niedrigem Prostata-Krebs-Risiko nahe. In einer Studie mit Dutasterid wird jetzt geprüft, ob sich ein ähnliches Ergebnis mit dem 5-alpha-Reduktase-Hemmer bei Männern mit hohem Prostatakrebs-Risiko erzielen läßt.

Einen ersten Hinweis, daß 5-alpha-Reduktase-Hemmer Prostata-Tumoren verhindern können, hat die im Jahr 2003 publizierte PCPT-Studie (Prostate Cancer Prevention Trial) mit fast 19 000 Männern ergeben. Die Männer hatten kein erhöhtes Karzinomrisiko. Nach siebenjähriger Behandlung mit Finasterid 5 mg täglich war das Risiko für Prostata-Karzinome im Vergleich zu Placebo um 25 Prozent reduziert (18 versus 24 Prozent).

Allerdings gab es in der Finasterid-Gruppe mehr fortgeschrittene Tumore mit einem Gleason-Score zwischen sieben und zehn in den Biopsieproben. Das heißt aber nicht, daß Finasterid die Entwicklung von aggressiven Prostata-Karzinomen begünstigt, sagte Professor Jens Altwein aus München bei einer Veranstaltung des Unternehmens GlaxoSmithKline in Düsseldorf. Es handele sich dabei um ein Einstufungsartefakt, für das es mehrere Gründe gebe.

So werden etwa in einer durch Finasterid verkleinerten Prostata Neoplasien durch Biopsie leichter entdeckt, und es werden Tumoren eher als aggressiv eingestuft, denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, bei einer Biopsie ein Tumorareal mit höher malignen Zellen zu erwischen.

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse hat GlaxoSmithKline eine neue Krebspräventions-Studie gestartet, in der geschaut wird, ob auch der 5-alpha-Reduktasehemmer Dutasterid (Avodart®) Prostata-Tumoren verhindern kann. Die Studie REDUCE (Reduction by Dutasteride of Prostate Cancer Events) begann vor eineinhalb Jahren.

An der Studie nehmen 8000 Männer ab 50 Jahren teil, und zwar mit erhöhtem Prostatakarzinom-Risiko. Sie haben PSA-Werte bis zu 10 ng/ml, aber kein Prostata-Karzinom in der Eingangs-Biopsie. Das unterscheidet die Studie von der bereits beendeten Finasterid-Studie, an der nur Männer mit PSA-Werten unter 3 ng/ml - also mit geringem Krebsrisiko - teilnahmen.

Die Männer in der REDUCE-Studie erhalten vier Jahre lang täglich 0,5 mg Dutasterid oder Placebo. Zwischenzeitlich wird mindestens zweimal biopsiert. Der PSA-Wert wird halbjährlich gemessen. Primärer Endpunkt ist ein durch Biopsie gesichertes Prostata-Ca nach zwei und vier Therapiejahren. Ein sekundärer Endpunkt ist die Überlebensdauer.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So alt sind die Ärzte in Deutschland

Fast jeder dritte niedergelassene Arzt in Deutschland ist jenseits der 60. Wir zeigen in Grafiken, wie alt die Ärzte in den einzelnen Fachbereichen sind. mehr »

Glücklich und zufrieden mit dem Job

Niedergelassene Ärzte und Psychotherapeuten arbeiten gerne in ihrem Beruf und würden ihn wieder ergreifen. Der Ärztemonitor 2018 zeigt auch: So viele Ärzte wie nie zuvor sind zufrieden mit der wirtschaftlichen Situation. mehr »

Wer wird Galenus-Preisträger 2018?

Heute Abend ist es soweit: Im Rahmen einer feierlichen Gala werden wieder innovative Arzneimittel und hervorragende Grundlagenforscher mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis ausgezeichnet. 13 Innovationen sind im Rennen. mehr »