Ärzte Zeitung, 15.04.2011

Abwarten und kontrollieren bei Prostata-Ca!

Prostatakrebs wächst oft langsam, so dass die Patienten lange beschwerdefrei leben. "Aktives Beobachten" sichert vielen über Jahre eine gute Lebensqualität.

Von Angela Speth

Abwarten und kontrollieren bei Prostata-Ca!

Regelmäßig zur Kontrolluntersuchung kann hohe Lebensqualität bringen.

© döhm/imago

BOSTON. Das Abwarten nach festen Regeln bringt jenen Patienten, die an Prostatakrebs mit niedrigem Risiko erkrankt sind, mehr Zeit in hoher Lebensqualität als jede sofortige Therapie. Die Gefahr, an dem Karzinom zu sterben, ist kaum erhöht.

Einer Modellrechnung zufolge sind bei Active Surveillance sechs Monate mit hoher Lebensqualität mehr zu erwarten als bei der günstigsten kurativen Therapie (JAMA 2010; 304: 2373).

Das gilt für einen 65-Jährigen mit neu diagnostiziertem symptomlosem Prostata-Ca, wenn der PSA-Wert unter 10 ng/ml, das Tumorstadium unter T2a und der Gleasonscore unter 6 liegt. Als Maß wählten die US-Forscher aus Boston QALYs (quality adjusted life years); ein QALY entspricht einem Jahr in guter Gesundheit.

Active Surveillance bedeutet: regelmäßige körperliche Untersuchungen und PSA-Tests, erneute Biopsie ein Jahr nach Diagnose, danach alle drei Jahre. Eine Therapie setzt ein, sobald die Patienten es wünschen oder die Krankheit fortschreitet. 11,1 QALYs können sie so erwarten.

Startet die Behandlung sofort, sind es weniger: 10,6 bei Bestrahlung, 10,5 bei Brachytherapie und 10,2 bei nervschonender Prostatektomie. Solche Therapien werden bei 61 Prozent der Männer mit Active Surveillance im Median erst nach 8,5 Jahren begonnen.

Die Gefahr, am Prostata-Ca zu sterben, ist bei den verschiedenen Strategien ähnlich hoch: 9 Prozent beträgt es bei sofortigem Eingreifen, 11 Prozent bei Abwarten.

Active Surveillance sei deswegen so vorteilhaft, weil unerwünschte Therapie-Folgen wie Inkontinenz und Potenzschwäche vermieden werden, schreiben die Autoren um Professor Julia Hayes. Diese Störungen sind bei kurativer Therapie erheblich.

Die aktive Überwachung mit selektiver, verzögerter Intervention komme bei rund einem Drittel der Männer mit neu diagnostiziertem Prostata-Ca in Frage. Potentielle Nachteile sind die schlechtere Prognose, falls es doch zur Progression kommt, sowie die psychische Belastung.

In Deutschland erkranken jährlich rund 58.000 Männer an Prostata-Ca. Aber nur bei einem Teil der Patienten, die noch keine Symptome haben, schreiten die Tumoren fort. Insofern birgt sofortiges Eingreifen die Gefahr der Übertherapie.

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