Ärzte Zeitung, 06.09.2016

Prostata-Karzinom

Mit Statinen gegen Krebs?

Statine sollen das Wachstum von Prostatakrebszellen hemmen. Theoretisch könnten Statine also auch das Fortschreiten einer Prostatakrebserkrankung stoppen. Und praktisch?

Können Statine den Krebs am Wachsen hindern?

Statine könnten nicht nur vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, sondern auch das Prostatakrebswachstum hemmen.

© roger ashford / fotolia.com

PITTSBURGH / USA. Untersuchungen an Zellkulturen und Versuchstieren lieferten erste Indizien dafür, dass Statine nicht nur vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, sondern auch das Prostatakrebswachstum hemmen. Theoretisch ließe sich mit Statinen somit die Progression einer Prostatakrebserkrankung stoppen.

Doch Studien an Menschen generierten bislang sehr unterschiedliche, teils widersprüchliche Resultate.

Zu einem ernüchternden Ergebnis kamen nun Urologen aus den Vereinigten Staaten. Sie hatten bei 3042 Männern mit Prostatakrebs untersucht, ob die Einnahme eines Lipidsenkers das biochemische Rezidivrisiko nach radikaler Prostatektomie senken kann (Urology 2016, online 8. August).

Untersuchungszeitraum von im Mittel 70 Monaten

Alle Probanden hatten sich in den Jahren 1999 bis 2015 an der Universitätsklinik in Pittsburgh aufgrund einer Krebserkrankung die Prostata entfernen lassen müssen. 824 (27 Prozent) hatten angegeben, bereits seit längerem Statine einzunehmen.

Innerhalb des Untersuchungszeitraums von median 70 Monaten war bei 455 Männer ein biochemisches Rezidiv nachweisbar. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die Männer präoperativ einen Lipidsenker eingenommen hatten oder nicht.

Das geschätzte 5- bzw. 10-Jahres-Überleben ohne Rezidiv lag in der Statin-Gruppe bei 85,7 bzw. 79,5 Prozent, in der Nicht-Statin-Gruppe bei 86,9 bzw. 79,5 Prozent. Ausschlaggebend waren vielmehr klassische krebsbezogene Faktoren wie PSA-Wert, Tumorstadium, perineurale Invasion des Tumors, Schnittränder sowie Tumordurchmesser.

Statine verbessern das Outcome nach Prostatektomie nicht

Auch der Anteil der Tumoren mit Gleason-Score 3 + 3 = 6, die nach der Operation hochgestuft werden mussten, war mit und ohne Statin vergleichbar (adj. OR 0,78; 95%-KI 0,58-1,04). Einen Unterschied machten eher das Alter der Patienten, der PSA-Level vor Behandlung, das Operationsjahr, die Zahl der positiven Biopsien, das Prostatavolumen, der zeitliche Abstand zwischen Biopsie und Operation sowie eine fehlende Zweitbegutachtung des Biopsiematerials (für alle Faktoren p < 0,05).

Statine verbessern das Outcome nach Prostatektomie nicht, und auch für das Tumorgrading bleibt die Einnahme eines Lipidsenkers ohne Konsequenzen, so das Resümee der US-amerikanischen Urologen. Gänzlich ausschließen möchten die Studienautoren einen positiven Effekt der Fettsenker nicht, sie raten aber zum jetzigen Zeitpunkt davon ab, Statine als "Krebsmedikament" einsetzen zu wollen. (dk)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Was Patienten ihrem Arzt verschweigen

Als Arzt muss man damit rechnen, dass Patienten nicht alle gesundheitsrelevanten Infos offenlegen. Wann und warum sie diese verheimlichen, haben Psychologen analysiert. mehr »

Möglicher Prognosemarker entdeckt

Forscher haben einen Biomarker entdeckt, der bei Prostatakrebs-Patienten früh auf einen aggressiven Verlauf hinweisen könnte – und ein Computermodell entwickelt, das bei der Vorhersage hilft, wie sich der Tumor entwickelt. mehr »

Gewichtheben enttarnt Koronaranomalie

Krafttraining zur KHK-Prävention: Das funktionierte bei einem jungen Gewichtheber – allerdings auf unvorhergesehene Weise. mehr »