Direkt zum Inhaltsbereich

Screening auf Prostatakrebs

Besser Finger weg von der digital rektalen Untersuchung

Das rektale Abtasten der Prostata taugt laut Resultaten einer kanadischen Studie nicht zum Screening auf Prostatakrebs in der Hausarztpraxis.

Veröffentlicht:
Die digitale rektale Untersuchung gehört zum Standardrepertoire einer gründlichen körperlichen Exploration. Zum Aufspüren eines Prostata-Ca taugt sie allerdings wenig, so eine Studie.

Die digitale rektale Untersuchung gehört zum Standardrepertoire einer gründlichen körperlichen Exploration. Zum Aufspüren eines Prostata-Ca taugt sie allerdings wenig, so eine Studie.

© Photos.com plus

HAMILTON. Die digitale rektale Untersuchung gehört zum Standardrepertoire einer gründlichen körperlichen Exploration.

Sinnvoll ist sie in vieler Hinsicht, denn nicht wenige Rektumkarzinome sind dem tastenden Finger zugänglich und Blut am Handschuh kann Hinweise auf gastrointestinale Hämorrhagien geben – um nur einiges zu erwähnen.

Palpation der Prostata

Tastuntersuchung der Prostata

»Die Sensitivität der digital rektalen Untersuchung betrug 0,51 bei Männern ohne bekannten Prostatakrebs,

»die Spezifität betrug 0,59,

»der positive Vorhersagewert eines Tastbefundes betrug 0,41,

»der negative Vorhersagewert eines fehlenden Befundes betrug 0,64.

Rektal tastbar sind prinzipiell auch Veränderungen der Prostata, etwa eine Hyperplasie oder eine (schmerzende) Prostatitis. Nach wie vor gehört die Palpation der Prostata zum Katalog der Kassenleistung zur Früherkennung von Krebs.

Doch für diesen Zweck scheint die Maßnahme, folgt man den Ergebnissen einer Studie aus Kanada, eher schlecht geeignet zu sein.

Leen Naji von der Abteilung für Familienmedizin der McMaster-Universität im kanadischen Hamilton hat sich zusammen mit Kollegen einen systematischen Überblick über sieben Studien zu dem Thema verschafft (Ann Fam Med 2018; 16: 149-154).

Die Metaanalyse der Daten von mehr als 9000 beteiligten Patienten förderte für die digitale rektale Untersuchung zum hausärztlichen Screening auf Prostatakarzinom eine eher magere Erfolgsrate zutage. Die Diagnosen waren jeweils durch Biopsie bestätigt.

Qualität der Studien niedrig

Nahmen Hausärzte eine Tastuntersuchung der Prostata vor, um bei Männern ohne bekannten Prostatakrebs nach einem Tumor zu fahnden, erreichten sie eine Sensitivität von 0,51. Die Spezifität lag, über alle Studien gesehen, bei 0,59.

Der positive Vorhersagewert eines Tastbefundes betrug 0,41, der negative Vorhersagewert eines fehlenden Befundes 0,64. Die Qualität der verwendeten Studien war insgesamt niedrig.

Mit anderen Worten hatten 36 von 100 Männern mit einer negativ verlaufenen Prostatapalpation doch Krebs; und 59 von 100 Männern mit einem positiven Tastbefund hatten keinen Krebs. Naji und Mitarbeiter raten Hausärzten vom routinemäßigen digitalen Screening auf Prostatakrebs ab.

Die Weltgesundheitsorganisation fordere von Screeningtests, sie sollten wissenschaftlich begründet sein, außerdem sollte ihr Nutzen den Schaden überwiegen, erläutern die Forscher. "Wie die Dinge stehen, erfüllt die digitale rektale Untersuchung diese Bedingungen nicht." (rb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

SHIP-Studie

Risikoadaptiert auf Prostatakrebs screenen – geht das?

Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Aktuelle explorative Ad-hoc-Analysen der Studien SPOTLIGHT und GLOW: mOS vor und nach Zensierung†

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

CLDN18.2+, HER2− Adenokarzinom des Magens/gastroösophagealen Übergangs

Mit optimiertem Therapiemanagement den Behandlungserfolg mit Zolbetuximab unterstützen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Astellas Pharma GmbH, München
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Anpassungsvorgänge brauchen Zeit

Höhenkrankheit bei Kindern und Jugendlichen: Das gilt es zu beachten

Erfolgreiche Überbrückung bis zur Transplantation

Schwer an ARDS Erkrankter überlebt Entfernung beider Lungenflügel

Lesetipps
Ein Mann liegt im Bett und schaut auf sein Handy.

© Andrii Lysenko / Stock.adobe.com

Insomnie

Wie sich schlechter Schlaf auf Schmerzen auswirkt

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram