Ärzte Zeitung, 10.05.2013
 

Meningeom

Stopp mit präziser Radiatio

Bei asymptomatischen Meningeomen kann man kontrolliert abwarten. Bei ausgedehnten Tumoren sind meist aber multimodale Strategien nötig. Dazu zählen etwa die Teilresektion und Strahlentherapie.

Von Thomas Müller

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Blicks ins Hirn: Wann müssen Meningeome therapiert werden?

© Springer Verlag

MAINZ. Meningeome gehören zu den häufigsten intrakraniellen Tumoren und sind gerade bei älteren Frauen keine Seltenheit. Professor Uwe Schlegel vom Universitätsklinikum in Bochum schätzt, dass etwa acht Prozent der Frauen über 80 Jahre solche Tumoren aufweisen.

Häufig sind diese gutartig, asymptomatisch und werden nur zufällig entdeckt. In solchen Fällen sollte man kontrolliert abwarten. Lediglich bei einer Progression oder neurologischen Symptomen ist eine Resektion nötig.

Meist ist mit dem Herausschneiden des Tumors das Problem gelöst, es sollten im Anschluss an die Resektion aber weiterhin einmal jährlich Verlaufskontrollen erfolgen, empfahl der Neuroonkologe auf der Fortbildungsveranstaltung "Neuro Update" in Mainz.

Weit problematischer und nicht mehr so einfach mit dem Skalpell zu behandeln sind ausgedehnte Meningeome an der Schädelbasis, im Bereich der Optikusscheibe, am Keilbeinflügel sowie bei einer Sinusinfiltration.

Hochpräzisionsbestrahlung ist nötig

Moderne mikroneurochirurgische Verfahren erlaubten zwar großflächige Resektionen in Regionen, die früher unzugänglich waren, bei ausgedehnten Meningeomen seien aber meist multimodale Strategien nötig, in der Regel Teilresektion gefolgt von Strahlentherapie, so Schlegel.

Um sensible Areale zu schonen, ist häufig eine Hochpräzisionsbestrahlung in spezialisierten Zentren nötig.

"Man sollte wissen, dass man damit selbst schwergradig betroffenen Patienten noch helfen kann", sagte Schlegel und nannte als Beispiel eine 42-jährige Patientin mit ubiquitär wachsendem Meningeom, die bereits erblindet war und Infiltrationen im zervikalen Spinalkanal zeigte. Auch hier gelang die Tumorkontrolle mit der Präzisionsbestrahlung.

Verwendet werden meist zwei Verfahren. Die fraktionierte stereotaktische Radiotherapie (FSRT), bei der sich Strahlen aus unterschiedlichen Richtungen im Zielbereich treffen und nur dort zu einer hohen Dosis führen, sowie die intensitätsmodifizierte Radiotherapie (IMRT), bei der die Strahlendosis innerhalb der Feldfläche durch Kompensatoren im Strahlenweg moduliert wird.

Mit beiden Verfahren lässt sich eine maximale Strahlendosis in einer relativ kleinen Zielregion erreichen und umliegendes Gewebe schonen.

Radiatio mit FSRT oder IMRT

Am DKFZ in Heidelberg hat man die Hochpräzisionsbestrahlung mit den beiden Verfahren bei über 500 Patienten mit schwer resektierbaren Schädelbasismeningeomen untersucht (Radiother Oncol 2012, Epub 17. Aug). Viele Patienten hatten massive Sehstörungen, Kopfschmerzen sowie Hirnnerven-Dysfunktionen.

Nur bei etwa der Hälfte wurde zunächst eine partielle Resektion vorgenommen. 376 Patienten erhielten schließlich eine FSRT, 131 eine IMRT. Nach fünf Jahren lag die lokale Tumorkontrollrate bei 95 Prozent, nach zehn Jahren bei 88 Prozent, bei reinen Grad-I-Meningeomen sogar noch bei 91 Prozent.

Bei höhergradigen Tumoren betrug die Kontrollrate nach fünf Jahren 81 Prozent, nach zehn Jahren noch immer 53 Prozent.

Die Lebensqualität hatte sich bei etwa der Hälfte der Patienten stabilisiert, bei 38 Prozent sogar verbessert, sagte Schlegel.

Fazit: Selbst bei ausgedehntem Meningeom sollte eine Radiatio mit diesen Verfahren erfolgen.

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