Ärzte Zeitung, 28.01.2004

Probiotik verlängert Remission bei Divertikulitis

Therapie mit apathogenem Escherichia-coli-Stamm lindert funktionelle Symptome / Entzündung im Darm verringert

PRAG (mf). Eine Therapie mit dem apathogenen E.-coli-Stamm Nissle 1917 hat sich in einer ersten, kleinen Studie bei symptomatischer unkomplizierter Divertikel-Krankheit als wirksam erwiesen.

Professor Premysl Fric und Dr. Miroslav Zavoral vom Zentralen Militärkrankenhaus und Postgraduate Institute in Prag in Tschechien haben die Wirksamkeit dieses Medikamentes bei symptomatischer Divertikel-Krankheit geprüft: 15 Patienten wurden während zweier aufeinanderfolgender Attacken zunächst über eine Woche mit einem intestinalen Antiseptikum in Kombination mit einem Adsorbens behandelt, und es wurde die Dauer der dadurch erzielten Remission dokumentiert.

Bei der dritten Attacke wurde dieses Behandlungsschema wiederholt und im Anschluß eine Therapie mit dem apathogenen E.-coli-Stamm Nissle 1917 (Mutaflor®) eingeleitet. Dabei dauerte die Behandlung bei zwölf Patienten sechs Wochen und bei drei Patienten drei Wochen. Bei vier Patienten erfolgte ein zweiter Behandlungszyklus. Nach der probiotischen Therapie wurden die Patienten in Intervallen von zwei Monaten nachbeobachtet (Eur J Gastroenterol Hepatol 15, 2003, 313).

Ergebnis: Durch die zusätzliche probiotische Therapie wurde die Dauer der Remission deutlich verlängert: So blieben die Patienten nach der ersten Attacke im Durchschnitt 2,7 Monate und nach der zweiten Attacke 2,2 Monate in Remission - nach der dritten jedoch 14,1 Monate. Unerwünschte Wirkungen wurden nicht beobachtet.

Möglicherweise, so die Ärzte, lindere das Probiotikum bei Patienten mit Divertikel-Krankheit nicht nur die funktionellen Symptome, sondern habe es weitere positive Effekte - etwa die Abschwächung der intestinalen Entzündungsreaktion, die Normalisierung der mukosalen Funktionen und die Milderung von allergischen Reaktionen. Weitere Studien sollten nun folgen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

"Die Haltung der Kassen ist irrational"

Die Vertragsärzte kauen schwer am schwachen Ergebnis der Honorarverhandlungen für 2018. Es sei fraglich, ob der aktuelle Mechanismus auf Dauer ein geeignetes Preisfindungsinstrument sei, so KBV-Chef Dr. Andreas Gassen. mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »