Forschung und Praxis, 28.10.2005

Überarbeitete H.-pylori-Leitlinien erweitern Indikationsspektrum für Eradikation

Die von internationalen Helicobacter-pylori-Spezialisten erarbeiteten Leitlinien zu Diagnose und Therapie bei H.-pylori-Infektion, auch bekannt als Maastricht-Konsensus-Leitlinien, sind im März dieses Jahres aktualisiert worden. Im Vergleich zu den bisher gültigen Leitlinien hat es dabei Veränderungen etwa bei den Indikationen gegeben, bei denen eine Eradikation des Magenkeims empfohlen wird.

Wie bisher wird geraten, bei peptischem Ulkus, niedriggradigem MALT-Lymphom, atrophischer Gastritis und nach Resektion von Magenkarzinomen gegen Helicobacter pylori zu behandeln. Das haben in Köln die Helicobacter-pylori-Spezialisten Professor Peter Malfertheiner aus Magdeburg, Professor Christian Prinz aus München und Privatdozent Dr. Michael Vieth aus Bayreuth bestätigt.

Die Eradikationstherapie sollte dabei vorzugsweise mit einer Dreifachkombination aus Protonenpumpenhemmer (PPI), Clarithromycin und Amoxicillin erfolgen. Die Unternehmen Altana und Abbott, die das Symposium zu den noch nicht publizierten, überarbeiteten H.-pylori-Leitlinien unterstützten, bieten diese Kombination mit dem PPI Pantoprazol als ZacPac® an. Neue Indikationen für eine H.-pylori-Eradikation sind die idiopathische Thrombozytopenie und die unklare Eisenmangelanämie bei Kindern.

Eradikation stoppt Ausbreitung einer atrophischen Gastritis

Betont werden jetzt auch präventive Aspekte, denn H. pylori gilt als wichtigster Risikofaktor für ein Nicht-Kardia-Magenkarzinom. Die Eradikation des Magenkeims stoppt die Ausbreitung einer atrophischen Gastritis und kann zur Rückbildung der präneoplastischen Veränderungen führen, konstatiert die aus 50 internationalen Experten zusammengesetzte Konsensus-Gruppe in ihrem Bericht.

Der Effekt auf bestehende intestinale Metaplasien sei fraglich, doch verhindere die Eradikation weitere präkanzeröse Neubildungen der Magenschleimhaut.

Die Experten gehen auch auf den Stellenwert der H.-pylori-Eradikation bei Patienten ein, die NSAR anwenden. Bei ihnen erhöht der Erreger das Risiko für blutende Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm. Bei Patienten, die langfristig NSAR anwenden, wird deshalb zur Eradikation geraten, aber mit dem Hinweis, daß allein damit NSAR-begleitende Ulkus-Erkrankungen nicht verhindert werden. Risikopatienten brauchen zusätzlich einen PPI, heißt es weiter.

Neu bewertet wird auch der Zusammenhang zwischen Helicobacter pylori und GERD (gastroösophageale Refluxkrankheit): Demnach führt die Eradikation des Magenkeims nicht zur Neuentwicklung oder Verstärkung einer bestehenden GERD. Sie kann aber bei GERD-Patienten unter PPI-Langzeittherapie eine atrophische Gastritis bessern. (grue)

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