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INTERVIEW

Endokarditis-Prophylaxe wird nicht mehr generell empfohlen

Neue Erkenntnisse zu Diagnostik und Therapie bei gastrointestinalen Krankheiten, aber auch zu Viszeralchirurgie, Pathologie und bildgebenden Verfahren - das alles erwartet die Teilnehmer des Gastro Updates 2008. Das traditionsreiche Update findet in diesem Jahr zum 16. Mal statt: am 22. und 23. Februar in Wiesbaden sowie am 7. und 8. März in Berlin. Es ist die größte Veranstaltung zu Viszeralmedizin außerhalb der wissenschaftlichen Tagungen der Fachgesellschaften, sagte Initiator und einer der Leiter, Professor Christian Ell aus Wiesbaden zur "Ärzte Zeitung". Das Update ist mit 16 Punkten zertifiziert.

Veröffentlicht:

"Ärzte Zeitung": Ein auch für Hausärzte wichtiges Thema ist die Antibiotika-Prophylaxe vor Endoskopien. Da gibt es Neuigkeiten.

Professor Christian Ell: Die Antibiotika-Prophylaxe vor endoskopischen Untersuchungen und Eingriffen wie Polypektomie für Patienten mit bestimmten Herzkrankheiten werden gelockert. Nach neuesten Empfehlungen der US-amerikanischen Gesellschaft für Kardiologie AHA ist eine generelle Endokarditis-Prophylaxe nicht mehr notwendig vor endoskopischen Eingriffen.

Das ist ein wichtiges Thema, weil da viel Unsicherheit besteht. Bislang haben wir die Prophylaxe auch relativ großzügig gehandhabt, also auch bei einfacheren Erkrankungen wie Mitralklappenprolaps. Die amerikanischen Kollegen sagen im Prinzip zu Recht, dass es keine Daten dafür gibt. Deshalb haben sie generell jegliche Prophylaxe eingestellt und das auch als offizielles Statement abgegeben.

"Ärzte Zeitung": Und wie handhaben Sie eine solche Prophylaxe?

Ell: Ich habe dazu aufgrund eigener Erfahrungen eine etwas differenziertere Sichtweise. Auch ich bin der Meinung, dass die umfangreiche und generelle Antibiotika-Prophylaxe nicht mehr notwendig ist. Aber auch wenn für Hochrisikopatienten (Klappenersatz, durchgemachte Endokarditis) harte Daten fehlen, gebe ich sicherheitshalber dennoch eine Antibiotika-Prophylaxe. Aber zum Beispiel nicht mehr für Patienten mit Mitralklappenprolaps. Die Empfehlungen der AHA werden beim Gastro Update sicher kritisch diskutiert werden.

"Ärzte Zeitung": Und wenn die Zuhörer Fragen haben? Sicher gilt doch nach den Vorträgen nicht: Wir sehen betroffen den Vorhang zu und alle Fragen offen?

Ell: Auf keinen Fall. Eine Besonderheit der Update-Veranstaltungen und damit auch des Gastro Updates ist es, dass die Teilnehmer ihre Fragen zu den verschiedenen Themen direkt klären können. Dazu können während eines Vortrags Fragekarten ausgefüllt werden. Nach jedem Themengebiet in einem Vortrag beantwortet der jeweilige Referent diese Fragen. Zusätzlich stehen die Referenten in den Pausen in den Speaker‘s Corner den Teilnehmern zur Verfügung. Diese Möglichkeit, Fragen zu Diagnostik und Therapie zu eigenen Patienten zu klären, wird immer rege genutzt.

(gwa)

Professor Christian Ell leitet zusammen mit seinen Kollegen Professor Wolfgang Fischbach aus Aschaffenburg, Professor Peter Layer aus Hamburg und Professor Hubert Zirngibl aus Wuppertal das Gastro Update in Wiesbaden und Berlin. Weitere Informationen und Anmeldung unter: www.gastro-update.de

Zur Person

Professor Christian Ell ist Direktor der Klinik Innere II, Zentrum Innere Medizin, Dr. Horst-Schmidt-Klinik, Wiesbaden

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