Ärzte Zeitung online, 10.02.2017
 

Pankreatitis

Ab welchem Triglycerid-Wert wird's riskant?

Das Risiko für akute Pankreatitis ist bereits bei leichter Hypertriglyzeridämie erhöht.

KOPENHAGEN. Schon Serumtriglyzeride ab 177 mg/dl (2 mmol/l) im nicht nüchternen Zustand sind dänischen Ärzten zufolge mit "einem hohen [relativen] Risiko" einer akuten Pankreatitis assoziiert. Das relative Erkrankungsrisiko steigt in Abhängigkeit von der Triglyzeridkonzentration sogar stärker als das Herzinfarktrisiko, wie Simon B. Pedersen (Universität Herlev) und Kollegen berichten (JAMA Intern Med 2016; 176: 1834-1842).

Die Erkenntnisse beruhen auf der Analyse von prospektiv erhobenen Daten aus zwei bevölkerungsbasierten Kohorten, der Copenhagen General Population Study und der Copenhagen Heart Study. Von zusammen 116.550 Teilnehmern (medianes Alter 57 Jahre) hatten während der Beobachtungszeit von median 6,7 Jahren 434 eine akute Entzündung des Pankreas und 3942 einen Herzinfarkt erlitten.

Als Referenzwert galten Nicht-Nüchtern-Trigylzeridspiegel unter 89 mg/dl (1 mmol/l). Bei höheren Werten ergaben sich folgende Risikosteigerungen für die akute Pankreatitis: + 60 Prozent bei 89–176 mg/dl (1,00–1,99 mmol/l), + 130 Prozent bei 177–265 mg/dl (2,00– 2,99 mmol/l), + 190 Prozent bei 266–353 mg/dl (3,00–3,99 mmol/ l), + 290 Prozent bei 354–442 mg/ dl (4,00–4,99 mmol/l) und + 770 Prozent ab 442 mg/dl (≥5,00 mmol/l). Die entsprechenden Risikozuwächse für einen Herzinfarkt lagen bei 60, 120, 220, 180 und 240 Prozent. Das absolute triglyzeridassoziierte Risiko war natürlich für die Pankreatitis geringer: Pro 10.000 Patientenjahre gab es in der Referenzgruppe 2,7 Fälle; in den Gruppen mit höheren Triglyzeridspiegeln kamen 1,6, 2,8, 3,6, 4,8 bzw. 9,3 Fälle hinzu. Herzinfarkte hatten in der Referenzgruppe eine Häufigkeit von 22 pro 10.000 Personenjahre, bei steigenden Triglyzeridwerten erhöhte sich die Zahl der Ereignisse um 19, 35, 50, 46 bzw. 56.

Pro Zunahme der Serumtriglyzeride um 89 mg/dl (1 mmol/l) erhöhte sich das Risiko einer akuten Pankreatitis um 17 Prozent. Die Risikosteigerung hatte auch dann Bestand, wenn die Studienteilnehmer nach Geschlecht, Alter, Raucherstatus, BMI, Diabetes, Alkoholkonsum und Gallensteinleiden differenziert wurden.

Dass schon leicht erhöhte Triglyzeridspiegel mit einem Anstieg der Pankreatitisraten verknüpft sind, war zuvor schon in zwei prospektiven Studien beobachtet worden. Falls es sich dabei um einen ursächlichen Zusammenhang handelt, postulieren die dänischen Studienautoren zwei mögliche Mechanismen: Die Spaltung der Triglyzeride durch die Pankreaslipase führt zu großen Mengen freier Fettsäuren im Pankreas. Indem sie sich zu mizellaren Strukturen mit Detergenswirkung zusammenlagern, können sie Azinuszellen und Gefäßbett im Pankreas schädigen und so Ischämie und Entzündung auslösen. Alternativ könnte bei hohen Konzentration von Lipoproteinpartikeln die Viskosität das Serums so erhöht sein, dass daraus eine Ischämie und Inflammation im Pankreas resultieren.(bs)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »