Ärzte Zeitung, 02.03.2004

Infliximab - Erfolg bei Kindern mit Morbus Crohn

Nach Infusion sank Aktivität der Erkrankung um die Hälfte

PHILADELPHIA (mf). Der TNF-alpha-Antikörper Infliximab scheint auch bei Kindern mit Morbus Crohn wirksam zu sein: In einer Studie wurden bei Kindern mit mittelschwerer bis schwerer aktiver Erkrankung, die auf Standardtherapeutika zuvor ungenügend angesprochen hatten, ermutigende Ergebnisse erzielt.

Insgesamt 21 Kinder im Alter von acht bis 17 Jahren haben an der Studie teilgenommen, wie Professor Robert Baldassano vom Kinderkrankenhaus in Philadelphia im US-Bundesstaat Philadelphia und seine Kollegen von mehreren amerikanischen und europäischen Zentren berichten (The Am J Gastroenterol 98, 2003, 833). Die Kinder hatten trotz vorheriger entzündungshemmender Therapie, etwa mit Kortison oder Immunsuppressiva, eine mittelschwere bis schwere aktive Erkrankung.

Die Kinder erhielten im Verlauf der offenen, in Bezug auf die Dosierung allerdings verblindeten Studie eine einmalige Infusion von Infliximab (Remicade®) in einer Dosierung von einem, fünf oder zehn Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Dabei wurden alle übrigen Therapien - zumeist Kortikosteroide, Aminosalizylate und, weniger oft, 6-Mercaptopurin oder Azathioprin - zunächst unverändert beibehalten, in der vierten Woche konnte die Kortison-Dosis reduziert werden.

Bis zu zwölf Wochen nach der Infusion wurde regelmäßig der klinische Befund - gemessen mit dem Pediatric Crohn‘s Disease Activity Index (PCDAI) - erhoben und es wurden Aktivitätsmarker wie das CRP (C-reaktives Protein) und die ESR (Erythrozyten Sedimentationsrate) bestimmt.

Wie die Autoren berichten, war in der zweiten Woche eine im Durchschnitt etwa 50prozentige Besserung beim PCDAI festzustellen. In der zwölften Woche war dieser Wert im Vergleich zum Ausgangswert immer noch um 30 Prozent besser. Bei zehn Kindern wurde im Verlauf der Studie eine klinische Remission erzielt. Dabei hatte die höchste Infliximab-Dosis auch den stärksten Effekt. Bei vier Kindern kam es - vermutlich im Zusammenhang mit der Therapie - zu Infektionen, unerwünschte Reaktionen auf die Infusionen gab es nicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Rätselhafter Demenz-Rückgang

Eine US-Studie deutet erneut auf eine fallende Demenz-Inzidenz, und zwar besonders in Geburtsjahrgängen ab 1925. Wisssenschaftliche Erklärungen für die Beobachtung fallen schwer. mehr »

Immuntherapie gewinnt an Stellenwert in der MS-Therapie

Die Therapieoptionen bei Multipler Sklerose (MS) haben sich erweitert. Neue Substanzen werden daher auch in die aktualisierten Leitlinien Einzug halten. mehr »

Polarisierung – Chance für das Parlament

Gesundheitspolitik in Zeiten der großen Koalition – das stand für die fehlende Konkurrenz der Ideen. Der Souverän hat die Polarisierung gewollt. Das ist eine Chance für die Demokratie. mehr »