Ärzte Zeitung, 01.07.2005

Mit Retina-Implantaten können Blinde wieder etwas sehen

Chips ersetzen degenerierte Photorezeptoren / Erste Tests auch in Deutschland

LOS ANGELES (mut). Wer durch Retinitis pigmentosa oder altersbedingte Makuladegeneration (AMD) blind geworden ist, kann durch ein Retina-Implantat seine Sehfähigkeit teilweise wieder zurückerlangen. Das haben erste klinische Studien ergeben. Neue, verbesserte Chips sollen das Sehvermögen weiter erhöhen.

Subretinales Netzhautimplantat
Ein Chip wird unter die Nervenfaserschicht der Retina verpflanzt. Foto: A.Chow/Rush University

Bei Retinitis pigmentosa und AMD gehen Photorezeptoren in der Retina zugrunde, die darüberliegenden Nervenzellen bleiben jedoch intakt und können durch elektronische Chips gereizt werden, um Sehimpulse zu erzeugen.

Der Augenchirurg Professor Mark Humayun aus Los Angeles hat nun Daten zu sechs Patienten mit Retinitis pigmentosa auf einem Kongreß in Fort Lauderdale in Florida vorgestellt. Die Patienten waren vollkommen blind. Sie erhielten einen Chip auf die Retina implantiert. Der Chip übersetzt Bilddaten von einer Videokamera in elektrische Reize. Damit konnten sich die Patienten wieder im Raum orientieren und einfache Formen erkennen. Die Patienten tragen den Chip seit fünf bis 33 Monaten.

Einen anderen Weg ging Dr. Alan Chow von der Rush University in Chicago. Er setzte eine Art Solarzelle bei 15 Retinitis-pigmentosa-Patienten ein, und zwar unter die Netzhaut. Der Solarstrom aus dem Chip reizt die darüberliegenden Nervenzellen, ähnlich wie dies auch Lichtsinneszellen tun. Bei den Patienten, die infolge der Krankheit bereits starke Sehschwächen hatten, aber noch nicht blind waren, kam es zu einer deutlichen Verbesserung: Sie konnten zum Teil wieder Briefe lesen, und ihr Sehfeld verbreiterte sich.

Mit einem verbesserten Verfahren soll in wenigen Wochen auch eine Studie in Deutschland starten.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Sehprothesen sollen Blinden bald das Augenlicht zurückgeben

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