Ärzte Zeitung, 13.06.2007

KOMMENTAR

Ungenutzte Chancen bei Veitstanz

Von Peter Leiner

Als einen Teilerfolg kann man die Versuche mit der Transplantation fetaler Gehirnzellen in das Gehirn von Patienten mit Veitstanz (Morbus Huntington) schon bezeichnen: Mehr als sechs Jahre lang lebten zwei Erkrankte in den USA mit diesen Zellen im Kopf, ohne dass es zu Tumoren oder Abstoßungsreaktionen gekommen ist. Und offenbar hat die Transplantation den Verlauf der Erkrankung nicht verschlechtert. So weit, so gut.

Aber das ist dann auch schon alles, was mit dieser Therapieform erreicht wurde. Die Zellen gingen - anders als in ähnlichen Studien mit Parkinson-Patienten - kaum eine Verbindung zum umliegenden Gewebe ein und konnten somit auch kaum Symptome lindern.

Sollte dieses Ergebnis Grund sein, die Therapie-Form nicht weiter zu erforschen? Ganz sicher nicht! Denn die wenn auch spärlichen Erkenntnisse aus der Langzeitstudie lassen sich für künftige klinische Transplantationsversuche nutzen. Zum Beispiel für die Entscheidung, welche neuronalen Zellen von Feten verwendet werden und in welche Regionen im Gehirn der Huntington-Patienten sie verpflanzt werden sollten.

Aus dem Studienergebnis hätten aber noch viel mehr Erkenntnisse gewonnen werden können, wenn der Verlauf der Erkrankung bei den beiden Patienten über sechs Jahre besser dokumentiert worden wäre. Wenn solche Fehler begangen werden, lassen sich nicht mehr als Teilerfolge erzielen.

Lesen Sie dazu auch:
Fetale Zellen leben noch Jahre nach Transplantation

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