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Hintergrund

So gefährlich ist Quecksilber in Energiesparlampen

Wenn Gegenstände, die Quecksilber enthalten, zu Bruch gehen, fürchten viele um ihre Gesundheit. Doch welche Gefahren wirklich davon ausgehen, haben Arbeitsmediziner jetzt veröffentlicht.

Von Patricia Herzberger Veröffentlicht:
Energiesparlampe: Hohes Gesundheitsrisiko?`

Energiesparlampe: Hohes Gesundheitsrisiko?`

© Kathrin39 / fotolia.com

Zwar sollten Quecksilber-Thermometer der Vergangenheit angehören, aber noch gibt es sie. Außerdem sind Energiesparlampen, die Quecksilber enthalten, heute vermehrt in Gebrauch.

Was zu tun ist, wenn solche Gegenstände zerbrechen, darüber ist wenig bekannt. Deutsche Arbeitsmediziner haben sich des Gesundheitsrisikos durch Quecksilber gewidmet.

Das in Energiesparlampen enthaltene Quecksilber kann beim Zerbrechen an die Luft abgegeben werden. Eine ernsthafte Gefährdung der Gesundheit besteht nach Ansicht von Arbeitsmedizinern aber nicht.

Sie empfehlen in der DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift (2011; 136: 973) den Raum gut und ausdauernd zu lüften.

Das Umweltbundesamt hatte gemeldet, dass nach dem Zerbrechen heißer Kompaktleuchtstofflampen die Quecksilber-Belastung kurzfristig auf das Zwanzigfache des Richtwerts von 0,35 µg/m3 ansteigt.

Noch höhere Konzentrationsspitzen von 50 bis 100 µg/m3 wurden vor einigen Jahren in der US-Studie Main Compact Fluorescent Lamp Study gefunden. In Bodennähe direkt über der Bruchstelle können sogar Quecksilberspitzen von über 100 µg/m3 gemessen werden, teilt Dr. Rudolf Schierl, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Klinikum der Universität München, mit.

Eine erhöhte Belastung hätten nicht nur kleine Kinder, die auf dem Boden spielen, sondern auch der Erwachsene, der die Scherben beseitigt, warnt der Diplomchemiker.

Der Raum, in dem das Leuchtmittel zerschellt ist, sollte sofort und für längere Zeit gelüftet werden, denn die Quecksilberkonzentrationen sinken innerhalb der ersten Stunde unter den Richtwert ab, wenn in den ersten Minuten mit Lüftung und Aufräumen begonnen wurde.

Der Richtwert dient zur Beurteilung des potenziellen Gesundheitsrisikos bei länger anhaltender Innenraumbelastung.

Das kurzfristige Einatmen führt zwar ebenfalls zu einem Anstieg der Quecksilberkonzentration im Blut, doch liegt der nach Schierls Einschätzung deutlich unter dem HBM-I-Wert (human biomonitoring) von 5 µg/l Vollblut und ist demnach ungefährlich.

Schierl stützt sich in seiner Einschätzung auf eine Studie aus Schweden. Dort hatten neun Probanden 15 Minuten lang mittlere Quecksilber-Luftkonzentrationen von 400 µg/m3 eingeatmet, während sie auf dem Fahrrad-Ergometer einer leichten körperlichen Belastung ausgesetzt waren.

Innerhalb der ersten Stunde sei es zwar zu einem raschen, aber nur kurzzeitigen Anstieg der Quecksilberkonzentration zwischen 1,2 und 2,6 µg/l im Vollblut gekommen, berichtet Schierl.

Aus seiner Sicht ist ein Quecksilber-Biomonitoring nach einem Bruch von Kompakt-Leuchtstofflampen demnach nicht notwendig.

Das ist angesagt nach Quecksilber-Unfall

Schritt 1: Kontakt mit quecksilberhaltigem Material vermeiden, Handschuhe verwenden, Plastiküberzieher für Schuhe nutzen, alle Fenster öffnen.

Schritt 2: Absichern des kontaminierten Bereichs, nicht über den verseuchten Boden laufen, verhindern, dass Material verschleppt wird.

 Schritt 3: Material vorsichtig aufnehmen, nicht mit Staubsauger - dessen Abluft verbreitet das Quecksilber im ganzen Raum -, wenn vorhanden, Absorbermaterialien benutzen

Schritt 4: Bereich kontrollieren, mit Taschenlampe kontaminierte Stellen absuchen, Handschuhe, kontaminierte Gegenstände (auch Plastiküberzieher) in sicheren Behälter geben.

Schritt 5: Kontaminierte Materialien bei Recyclinghöfen oder ähnlichem entsorgen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Über gutes und böses Quecksilber

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Kommentare
Karin Maul 12.07.201106:41 Uhr

"Ansage" nach Quecksilber-Unfall

Mit wieviel Schritten und mit welchen sollten Kontaminierte vorgehen, um ihr Gesundheitsrisiko zu minimieren ( auszuschließen ist ja wohl nicht möglich!)?

Wolfgang Krecker 11.07.201116:46 Uhr

Quecksilber ist ungefährlich....

Wenn das so ist, warum dann die Vorsichtsmaßnahmen? Warum dann die Aktionen der EU und der UN (UNEP)? Wieviel von dem Quecksilber aus dem Blut hat sich im Gehirn oder im Gewebe abgelagert? Dort kommuliert es sich doch, oder? Wie sollen die Leute mit den defekten Leuchtstofflampen umgehen, die in der Entsorgung tätig sind? Die Einschätzung von Herrn Schierl in Ehren, aber mehr als eine persönliche Einschätzung ist das wohl nicht.

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