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Aufwachen bei der Op

EMG soll den Schrecken verhindern

Das plötzliche Aufwachen während einer Op ist für Patienten ein schreckliches Ereignis. Kollegen aus Halle arbeiten nun an einem neuen System, dass rechtzeitig Alarm schlagen soll.

Von Thomas Schöne Veröffentlicht:

HALLE. Trotz aller Fortschritte in der Anästhesie - ab und zu werden Patienten mitten in der Operation wach. Für viele Patienten ein Horrorszenarium, das nicht nur psychologische Schäden hinterlässt, sondern auch den Eingriff gefährdet.

Ärzte am Uniklinikum Halle haben jetzt einen Ansatzpunkt gefunden, um das Risiko des perioperativen Aufwachens zu verringern.

Bislang haben sie ihre Hypothese erst bei 23 Patienten getestet und ihre Erkenntnisse veröffentlicht (J Neurosurgic Anesthesiol 2012; 24(29): 139). Nun wollen sie ein Forschungsprojekt dazu starten.

Neurochirurg Professor Christian Strauss und Anästhesist Professor Michael Bucher haben die Methode zusammen mit einem fünfköpfigen Team entwickelt.

"Das vorzeitige Erwachen aus der Narkose ist eine Urangst des Menschen", sagt Bucher. Doch allgemein sei dies über alle Patienten gesehen ein sehr seltenes Ereignis mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit von 1 zu 14.000.

Bucher: "Allerdings kann sich die Wahrscheinlichkeit bei bestimmten Risikopatienten und Risikoeingriffen möglicherweise auf bis zu 1 von 100 Patienten erhöhen."

Er und seine Kollegen beobachteten das Wirkungsprinzip für das geplante Verfahren durch Zufall per Elektromyografie. "Immer etliche Minuten vor dem geplanten Aufwachen der Patienten aus der Narkose bemerkten wir eine Aktivitätszunahme", sagt Bucher.

"Vielversprechender Ansatz"

Daraufhin entwickelten die Forscher eine spezielle Software, mit deren Hilfe eine lückenlose Computerüberwachung während der Operation gewährleistet werden soll.

"Bei den ersten Tests wurden Aktivitäten des Patienten etwa 12,3 Minuten vor einem möglichen ungewollten Aufwachen des Patienten registriert", sagt Neurochirurg Julian Prell, Entwickler und Mitglied der Forschergruppe. Diese Zeit reiche für Gegenmaßnahmen.

Der Beginn der Studie ist für Ende 2012 geplant. Insgesamt sollen 178 Patienten bei unterschiedlichen Eingriffen über zwei Jahre lang mit dem neuen Verfahren überwacht werden.

Geeignet scheint es bei allen Operationen, bei denen keine Muskelrelaxantien gegeben werden. "Wir wollen ein Verfahren entwickeln, bei dem der Aufwand so gering wie möglich ist. Das Kontrollsystem sollte robust und möglichst einfach zu bedienen sein", sagt Strauss.

Deshalb sollen im Rahmen der Studie die EMG-Elektroden statt in Rachen und Schlund im Gesichtsbereich angelegt werden. "Das ist praktisch bei jeder Operation möglich und einfach zu handhaben", sagt Strauss.

"Das ist ein vielversprechender Forschungsansatz und dringt weit in das Fachgebiet der Anästhesie vor", sagt der Direktor der Anästhesiologischen Klinik am Universitätsklinikum im bayrischen Erlangen, Professor Jürgen Schüttler.

"Kopf-, Gesichts- und Halsmuskulatur sind sicherlich mögliche Indikatoren, um die Narkosetiefe von Patienten zu analysieren." (dpa)

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