Ärzte Zeitung online, 01.06.2017
 

Umdenken nötig

Sind die Gene Schuld an Magersucht

Meist werden psychische Ursachen als Auslöser für Anorexia vermutet. Doch der Auslöser könnte auch genetisch sein hat ein internationales Wissenschaftler-Team jetzt herausgefunden.

Magersucht kann angeboren sein

Revolutionäre These: Magersucht könnte an den Genen liegen.

© Dmitry Ersler / Fotolia

ESSEN. Ein Gen, das Anorexia nervosa begünstigt, hat eine internationale Forschergruppe unter Leitung der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) ausmachen können (Am J Psych 2017; online 12. Mai).

Die Forscher analysierten die Daten von insgesamt 3495 Anorexie-Patientinnen sowie 10.982 Teilnehmerinnen ohne Anorexie. Alle Daten wurden in der "1000 Genome-Studie" erfasst.

Dabei entdeckten die Forscher das relevante Gen auf dem Chromosom 12. "Diese Region wurde bereits mit Diabetes mellitus Typ 1 und Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht", wird Studienautorin Professor Anke Hinney in einer Mitteilung der Universität zitiert.

Zusammenhang mit anderen Krankheiten möglich

"Magersucht könnte so mit weiteren Erkrankungen verknüpft sein – etwa mit Schizophrenie beziehungsweise Neurotizismus: Die Gene, die dafür empfänglich machen, überlappen sich."

Erstaunlicherweise fanden die Forscher zudem Hinweise darauf, dass es überlappende Mechanismen zwischen Anorexie und verschiedenen metabolischen Phänotypen gibt. "Diese Entdeckungen können das bisherige Verständnis der Anorexie nachhaltig verändern: Eine psychiatrische Störung mit einem physiologischen Hintergrund eröffnet völlig neue und bislang unerwartete Therapieoptionen", so Hinney. Außerdem könne die genetische Ursache die Betroffenen entlasten.

AN sei ein komplexer genetisch bedingter Phänotyp, für den nun zum ersten Mal ein signifikanter genetischer Lokus entdeckt worden sei, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Publikation. Die Krankheit habe eine signifikante genetische Assoziation mit psychiatrischen und metabolischen Erkrankungen.

Die Ergebnisse legten daher nahe, die Anorexie neu einzuordnen als eine Krankheit mit psychiatrischen und metabolischen Ätiologien, regen die Wissenschaftler an. (eb/bae)

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