Ärzte Zeitung, 13.05.2004

Mit Duloxetin haben Depressive weniger Rezidive

Placebo-kontrollierte Studie mit mehr als 500 Patienten / Ergebnisse nach sechs Monaten Therapie

NEW YORK (agr). Werden Patienten nach einer depressiven Phase mit 60 mg Duloxetin pro Tag weiterbehandelt, kann hierdurch das Rückfallrisiko gesenkt werden. 80 Prozent der so behandelten Patienten bleiben auch nach 26 Wochen Fortsetzungstherapie ohne Rückfälle.

Dies hat eine Studie ergeben, die auf dem Jahrestreffen der US-Psychiater in New York vorgestellt worden ist. An der Studie hatten 533 Patienten mit akuter Depression teilgenommen.

Die Patienten wurden zunächst zwölf Wochen lang entweder mit dem Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin oder mit Placebo behandelt. Insgesamt wurde bei 280 Patienten (53 Prozent) eine Remission erzielt. Die Patienten mit Remission wurden erneut in einen Placebo-Arm und in einen Duloxetin-Arm aufgeteilt und sechs Monate lang therapiert.

Das Ergebnis: Mit Duloxetin blieben etwa 78 Prozent, mit Placebo dagegen nur 57 Prozent in Remission, hat Professor Jerrold Rosenbaum aus Boston berichtet. Von den Patienten, die in den sechs Monaten einen Rückfall erlitten, konnten mehr als zwei Drittel durch Erhöhung der Tagesdosis auf 120 mg Duloxetin erneut in Remission gebracht werden, wie Rosenbaum auf einer gemeinsamen Pressekonferenz der Unternehmen Lilly und Boehringer Ingelheim berichtet hat.

Der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer lindere sowohl affektive als auch körperliche Symptome einer Depression. Vor allem Schmerzen im Bereich des Muskel- und Skelettsystems sowie Kopfschmerzen würden mit einer solchen Behandlung effektiv reduziert. Dies sei ebenso wichtig für das Erreichen und den Erhalt der Remission, sagte der US-amerikanische Psychiater.

Daß das Medikament sowohl affektive als auch körperliche Beschwerden lindere, sei mit dem dualen Wirkmechanismus zu erklären: Die Arznei hemme bereits in niedriger Dosierung selektiv die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Serotonin und Noradrenalin, die außer der Stimmung auch das Schmerzempfinden beeinflussen.

Andere Neurotransmitter beeinflusse Duloxetin dagegen kaum. Daher liege die Rate der unerwünschten Wirkungen hiermit in etwa auf Placebo-Niveau, so Rosenbaum. Die Zulassung von Duloxetin in Europa ist beantragt.

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