Ärzte Zeitung, 25.03.2013

Kommentar zur Therapie von depressiven Schwangeren

Auch die Einstellung zählt

Von Thomas Müller

Bei Schwangeren mit Depressionen stehen Ärzte vor einem Dilemma: Sollen sie die Frauen mit Antidepressiva behandeln und das Risiko eingehen, dass die Kinder Schaden nehmen, auch wenn die meisten Studien den üblicherweise verordneten SSRI ein geringes Fehlbildungsrisiko bescheinigen? Oder sollen sie auf die Arzneien verzichten und ausschließlich auf Psychotherapie setzen?

Bei leichten Depressionen fällt die Entscheidung sicher nicht schwer. Was aber, wenn sich die Depression ohne Medikamente nicht durchbrechen lässt? Wird die Schwangere nicht erfolgreich behandelt, sind die Risiken für das Ungeborene ebenfalls erheblich. So hat die Depression selbst negative Auswirkungen auf die Schwangerschaft, hinzu kommt das erhöhte Suizidrisiko bei unzureichend Behandelten.

Umgekehrt besteht bei einer SSRI-Therapie die Gefahr, dass die Mutter anschließend jede peri- und postnatale Komplikation, jede Fehlbildung oder Entwicklungsstörung den Arzneien anlastet, unabhängig davon, ob es dazu belastbare Daten gibt.

Aus diesem Grund sollten Ärzte nicht nur die Studienlage im Blick haben, sondern auch die Einstellung der Patientin zur medikamentösen Therapie. Ein ausführliches Gespräch vor Therapiebeginn kann da nicht schaden.

Lesen Sie dazu auch:
Schwangere mit Depressionen: Antidepressiva schaden Nachwuchs kaum

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