Ärzte Zeitung, 12.02.2014

Wartezeiten in NRW

Schnelle Hilfe bei psychischen Erkrankungen

BIG direkt startet Pilotprojekt in NRW, mit dem die Wartezeiten für Patienten mit Depressionen verkürzt werden sollen.

KÖLN. Mit einem neuen Angebot will die Krankenkasse BIG direkt gesund an Depression erkrankten Versicherten zu einem schnelleren Zugang zur Versorgung verhelfen. Bei dem Pilotprojekt, das auf NRW begrenzt ist, kooperiert die Kasse mit zwei Häusern der Dr. Becker Klinikgruppe in Wuppertal und am Möhnesee.

Dort stehen Ärzte für ein Erstgespräch und eine Begutachtung zur Verfügung und beraten dann gemeinsam mit den Patienten das weitere Vorgehen - abhängig vom Grad der Erkrankung. "Wir wollen die Zeit bis zum Beginn der eigentlichen Behandlung nutzen", erläutert Dr. Elmar Waldschmitt, Leiter der BIG-Unternehmensentwicklung.

Auf Wunsch unterstützt die Kasse die Versicherten auch bei den nächsten Therapieschritten, etwa der Suche nach einem möglichst zeitnahen Termin bei einem Facharzt oder einem Psychotherapeuten.

Nach Angaben der Psychotherapeutenkammer beträgt die Wartezeit auf ein erstes Gespräch beim Psychotherapeuten in Nordrhein-Westfalen im Durchschnitt 13,8 Wochen, im Ruhrgebiet sind es sogar 17 Wochen.

Die Kasse ermittelt aus den ihr vorliegenden Daten, welche Versicherten für das Programm in Frage kommen. "An sie wendet sich ein Fall-Manager und schlägt ihnen vor, einen Termin zum Erstgespräch wahrzunehmen", sagt Waldschmitt. Bei Bedarf können die Versicherten ein paar Tage in der Klinik bleiben: für Diagnostiktage, eine Kurzzeit-Einzelpsychotherapie oder Gruppentherapiesitzungen.

Die Kasse hofft, dass sich durch das Programm die Behandlungsdauer bei den an Depression Erkrankten verkürzt und sich die Langzeitfolgen reduzieren. Optimistisch stimmen die BIG die Erfahrungen mit einem Integrationsvertrag für Patienten mit Burnout, bei dem die Kasse seit 2005 mit der Dr. Becker Klinik am Möhnesee kooperiert.

Über den Vertrag steht den Versicherten eine dreiwöchige Reha-Maßnahme offen. Sie umfasst neben der ärztlichen Diagnostik und Therapie die psychotherapeutische Behandlung sowie verschiedene weitere therapeutische Angebote. Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet von der Forschungsgruppe Pflege und Gesundheit. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »