Ärzte Zeitung online, 11.04.2019

Weltparkinson-Tag

Neue Therapieansätze gegen Parkinson in Sicht

Neue Therapien werden dringend benötigt, denn weltweit hat sich die Zahl der Parkinson-Patienten in den vergangenen 30 Jahren um das Zweieinhalbfache erhöht. Experten zeigen sich optimisch, hier auf dem richtigen Weg zu sein.

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Ein vielversprechender Ansatz zur Eindämmung der Parkinson-Epidemie könnten maßgeschneiderte Antikörper sein.

© luchschen / Getty Images / iS

NEU-ISENBURG. Weltweit hat sich die Zahl der an Parkinson Erkrankten auf inzwischen über sechs Millionen erhöht. Aktuell ist Parkinson damit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach Alzheimer. Nach Expertenschätzungen werden wegen der demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2040 etwa 13 bis 14 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt sein.

Bereits im Vorfeld des heutigen Weltparkinson-Tags hatte die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen e.V. (DPG) daher auf besondere Probleme aufmerksam gemacht. Zum einen steige die Häufigkeit der Erkrankung aus noch weitgehend unbekannten Gründen auffällig innerhalb einzelner Altersgruppen. Sie sei dort um über ein Fünftel gestiegen, heißt es in einer Mitteilung der Gesellschaft.

„Besonders in Westeuropa, Nordamerika und anderen Industrieregionen hat sich neben dem Risiko für die Parkinson-Krankheit selbst auch die Wahrscheinlichkeit für ähnliche neurologische Erkrankungen wie den Parkinsonismus, die amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und die spät einsetzende Multiple Sklerose erhöht“, so Professor Günter Höglinger, Erster Vorsitzender der DPG.

Zum anderen sei die Versorgung der Parkinsonerkrankten in Deutschland zwar insgesamt gut. Trotzdem werde jeder fünfte Patient nicht medikamentös versorgt.

Um solche Lücken zu schließen, die etwa zwischen der häuslichen und der stationären Pflege entstünden, plädiert die DPG für die enge Vernetzung aller Akteure von Pflegeeinrichtungen über Haus- und Fachärzte bis zur Spezialklinik. Die Schaffung effizienter, regionaler Versorgungskonzepte sei ebenso dringlich wie die Erforschung der Erkrankungsursachen.

Positiv hebt die DPG in ihrer Mitteilung hervor, dass zum ersten Mal inzwischen Therapien in Reichweite seien, die an den Ursachen ansetzen, statt lediglich die Symptome zu bekämpfen. Ein vielversprechender Ansatz zur Eindämmung der Parkinson-Epidemie könnten zum Beispiel maßgeschneiderte Antikörper sein, die per Infusion verabreicht werden. Sie sollen die Ausbreitung von α-Synuklein im Nervensystem verhindern. „Allein in den letzten Jahren wurden dazu mindestens 15 Studien abgeschlossen, mehr als 20 sind angelaufen oder geplant“, so Höglinger. (run)

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