Ärzte Zeitung, 22.03.2007

Neue Therapieoption bei Tabakentwöhnung

Vareniclin kann Entzugserscheinungen mindern und Rückfall vorbeugen

MANNHEIM (grue). Der Ausstieg aus der Nikotinsucht kann mit Vareniclin erleichtert werden. Kollegen können das von den Patienten zu zahlende Lifestyle-Medikament auf dem Grünen Rezept verschreiben.

Das seit kurzem erhältliche Vareniclin (Champix®) bindet als partieller Agonist anstelle von Nikotin an Acetylcholinrezeptoren und blockiert diese. Dopamin wird ausgeschüttet, allerdings weniger als beim Rauchen. Die Stimulation des dopaminabhängigen Belohnungssystems mindert Entzugserscheinungen.

Zudem beugt die Substanz als Antagonist einem Rückfall vor: Denn greift der Raucher erneut zur Zigarette, kann das Nikotin nicht mehr am Rezeptor andocken. Der erhoffte Dopamin-Kick bleibt aus. "Mit Vareniclin schaffen im Vergleich zu Placebo mehr als doppelt so viele Raucher den Ausstieg aus der Sucht", sagte Dr. Thomas Hering aus Berlin bei einem Pfizer-Symposium in Mannheim.

In den Zulassungsstudien waren nach zwölf Wochen Therapie mit Vareniclin 44 Prozent der Studienteilnehmer tabakabstinent, mit dem Vergleichprodukt Bupropion 30 Prozent und mit Placebo 18 Prozent. "Was zählt, sind allerdings die Erfolgsraten der Nachbeobachtung nach einem Jahr", so Hering. "Nur mit Willenskraft schaffen nämlich höchstens fünf Prozent der Raucher den Absprung von der Zigarette". Mit Entzugshilfen sieht es besser aus: In den Studien waren nach einem Jahr zehn Prozent mit Placebo, 15 Prozent mit Bupropion und 23 Prozent mit Vareniclin rauchfrei.

Um am Ende der Mühen auch abstinent zu sein, sollten die Patienten zwischenzeitlich immer wieder motiviert werden, empfahl der Pneumologe. Darauf seien besonders Patienten mit COPD angewiesen, denn sie könnten trotz ihrer Atemwegsbeschwerden noch weniger als andere Raucher auf Tabak verzichten.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin bereitet eine Leitlinie zur Tabakentwöhnung bei COPD vor. Demnach sollte allen nikotinentzugswilligen COPD-Patienten ein Entwöhnungsprogramm mit medikamentöser und psychosozialer Unterstützung angeboten werden.

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