Ärzte Zeitung online, 25.01.2012

Cannabis: Dyckmans dagegen, Lötzsch dafür

BERLIN (dpa). Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), befürchtet mehr Konsum bei einer Freigabe von Cannabis.

"Man sieht, dass das Verbot durchaus eine Wirkung hat. Und es hat auch ein Signal für die Jugendlichen: Dass eben Cannabis gefährlich ist und man es nicht konsumieren soll", sagte Dyckmans im ZDF-Morgenmagazin. Deswegen lehne sie eine Legalisierung ab.

Die Vorsitzende der Linkspartei, Gesine Lötzsch, hat die von ihrer Partei angestrebte Legalisierung von Cannabis mit gesundheitlichen Aspekten in der gleichen Sendung verteidigt.

"Wir wollen Gesundheitsvorsorge, Gesundheitsschutz, Aufklärung. Und vor allem wollen wir Abhängige unterstützen, sich aus der Sucht zu befreien", sagte Lötzsch.

Derzeit konsumierten vier Millionen Menschen in Deutschland Cannabis. "Das ist ja ein ernstzunehmendes Problem." Lötzsch forderte, die Politik müsse sich der Realität stellen.

Nur bei einer Freigabe könne darauf geachtet werden, dass die Konsumenten nicht beispielsweise bleihaltiges Cannabis rauchten.

Anhörung im Bundestag

Dyckmans widersprach Lötzsch. Cannabis berge viele gesundheitliche und soziale Gefahren. "Wir sind nicht in der Lage deutlich zu machen, wie gefährlich Cannabis ist", beklagte sie.

Heute habe Cannabis einen viel höheren Wirkstoffgehalt als früher. Jugendliche würden wegen der Droge die Schule abbrechen oder Depressionen bekommen. Auch müssten immer mehr Menschen in Behandlung, weil sie einen problematischen Cannabis-Konsum hätten.

Die Forderung der Linken nach Cannabis-Clubs hat nach Ansicht von Dyckmans keine Chance, im Bundestag durchzukommen.

Am heutigen Mittwoch wird in einer Expertenanhörung im Bundestag über den Antrag des drogenpolitischen Sprechers der Linken, Frank Tempel, beraten.

Tempel hatte die Einrichtung von Cannabis-Clubs vorgeschlagen, die ohne kommerzielles Interesse den Cannabis-Anbau für ihre Mitglieder übernehmen könnten. Erlaubt sein soll der Besitz von 30 Gramm getrocknetem Cannabis.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Häufiger Anaphylaxie unter Erdnuss-Immuntherapie

Schlechte Nachrichten für Patienten mit Erdnuss-Allergie: Einer Meta-Analyse zufolge traten unter einer oralen Immuntherapie bei Kindern deutlich mehr allergische Reaktionen auf. mehr »

Unterschiedliche Positionen zur Impfpflicht

Im internationalen Vergleich steht Deutschland in Sachen Masern-Impfschutz gar nicht so schlecht da. Ein Grund, sich auszuruhen, ist das nicht, meinen Ärztevertreter. Doch wie weit sollte eine Impfpflicht gehen? mehr »

Honorar für Leichenschau soll mehr als verdoppelt werden

Eine Arztstunde für rund 220 Euro: Gesundheitsminister Jens Spahn plant eine Neubewertung der Leichenschau in der GOÄ ab 2020. Bei den Ärzten stößt er damit auf Gegenliebe. mehr »