Ärzte Zeitung online, 17.08.2017
 

Schweiz

Hanf-Zigaretten finden reißenden Absatz

Sie riechen und schmecken wie ein Joint, sollen aber nicht high machen: Hanf-Zigaretten sind in der Schweiz ein Verkaufsschlager. In Deutschland ist das Produkt allerdings tabu, warnt der Zoll.

Hanf-Zigaretten finden reißenden Absatz

Hanf-Zigarette mit niedrigem THC-Gehalt: Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit ist besorgt, dass diese Zigaretten jungen Leuten als Einstiegsdroge dienen könnten.

© dpa /picture alliance

ZÜRICH. Hanf-Zigaretten mit dem Rauschwirkstoff THC finden nach Angaben des Herstellers in der Schweiz reißenden Absatz. Die Zigaretten sind dort seit vier Wochen im Handel.

"Wir sind völlig am Anschlag und kommen mit der Produktion kaum nach", sagte der Marketingleiter von Koch und Gsell Tabakfabrikanten, Björn Koch, am Mittwoch. Der THC-Gehalt sei aber verschwindend gering, nur für das Aroma da und mache nicht high, betonte Koch. Die Fabrik liegt in Steinach am Bodensee.

Der deutsche Zoll hat vor der Einfuhr der "Hanf-Zigis" gewarnt: "Das Verbringen von Drogen ist eine Straftat und kann mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden", hieß es schon im Juli.

Bundesamt für Gesundheit besorgt

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit ist besorgt, dass die Hanf-Zigarette jungen Leuten als Einstiegsdroge dienen könnte. "Weil Hanf-Zigaretten den gleichen Geschmack haben wie Drogenhanf, kann ein gewisser Gewöhnungseffekt nicht ausgeschlossen werden", sagte Pressesprecher Daniel Dauwalder. "Da Hanf-Zigaretten immer auch ein wenig THC enthalten, ist nicht ganz auszuschließen, dass zum Beispiel Neukonsumenten eine leicht berauschende Wirkung verspüren."

In der Schweiz ist der Verkauf von Hanf als Rauchware seit dem vergangenen Jahr erlaubt, solange der Gehalt der psychoaktiven Substanz THC (Tetrahydrocannabinol) unter einem Prozent liegt. Lose Hanfblüten werden seitdem verkauft. Eine Tabakzigarette mit 20 Prozent Hanf-Anteil ist neu auf dem Markt. Der THC-Anteil liege bei rund 0,3 Prozent, sagt Koch. Eine Rauschwirkung ist laut Schätzungen erst bei einem Gehalt von 15 Prozent zu erwarten. Ein Päckchen mit 20 Zigaretten kostet 19,90 Franken (rund 17,50 Euro) – zweieinhalb Mal so viel wie herkömmliche Zigaretten.

Produktion wurde hochgefahren

Die Nachfrage nach der Marke "Heimat – Tabak und Hanf" habe die Erwartungen weit übertroffen. Das Unternehmen mit 13 Mitarbeitern habe schon eine neue Maschine bestellt, die im Oktober geliefert werden soll, um die Produktion hochzufahren. Die Fabrik habe eine Kapazität von 50 000 Päckchen im Monat. "Wir hätten aber sicher 200.000 verkaufen können", sagt Koch. Die Zigaretten gibt es im Supermarkt. Im Online-Shop müssten Besteller mit drei Wochen Lieferzeit rechnen.

Mit 0,5 Milligramm Nikotin und acht Milligramm Teer sei die Zigarette allerdings genauso schädlich wie andere Tabakprodukte: "Wir müssen das Produkt nicht schönreden. Rauchen ist nicht gesund", sagt Koch, nach eigenen Angaben ein Gelegenheitsraucher. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Progesteron-Gel kann Frühgeburt vermeiden

Sinkt der Progesteronspiegel in der Schwangerschaft zu früh, verursacht das wohl eine vorzeitige Wehentätigkeit und Geburt.Einige Frauen schützt eine vaginale Hormonapplikation davor. mehr »

Statine mit antibakterieller Wirkung

Die kardiovaskuläre Prävention mit einem Statin schützt möglicherweise auch vor Staphylococcus-aureus-Bakteriämien. Das hat eine dänische Studie ergeben. mehr »

Das steht in der neuen Hausarzt-Leitlinie Multimorbidität

Die brandneue S3-Leitlinie Multimorbidität stellt den Patienten als "großes Ganzes" in den Mittelpunkt – und gibt Ärzten eine Gesprächsanleitung an die Hand. mehr »