Ärzte Zeitung online, 18.06.2019

Palliativmedizin

Wie gelingt Schmerzlinderung am Lebensende am besten?

In einer Studie haben britische Palliativmediziner die Informationen aus mehr als 111.000 Fragebögen ausgewertet. Zwei Dinge stachen bei einer als gut empfundenen Schmerzlinderung hervor.

Von Peter Leiner

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Palliativmedizinisch versorgt wurden zu Hause vor allem Krebspatienten in der Studie.

© Yuri Arcurs / Fotolia

Wichtiges in Kürze

  • Eine gute Schmerzlinderung war verknüpft mit einer palliativmedizinischen Versorgung durch Spezialisten und mit der Tatsache, dass der bevorzugte Wunsch der Verstorbenen war, zu Hause statt in einer Einrichtung zu sterben.
  • Unabhängig von der Art der Erkrankung ist die Schmerzversorgung erfolgreicher, wenn sie von palliativmedizinischen Spezialisten vorgenommen wird und Patienten zu Hause sterben können.
  • Einschränkung: Nur Angehörige oder den Verstorbenen eng verbundene Personen waren befragt worden. Ein kausaler Zusammenhang lässt sich aus der Studie nicht ablesen.

LEEDS. Bei Patienten, die in den letzten drei Lebensmonaten im heimischen Umfeld betreut werden, ist eine gute Schmerzlinderung mit einer palliativmedizinischen Versorgung durch Spezialisten verknüpft, wie eine britische Befragung ergab. Positiv wirkte sich dabei in der Studie auch aus, wenn der bevorzugte Wunsch der Verstorbenen dokumentiert war.

Britische Palliativmediziner um Dr. Yousuf ElMokhallalati von der Universität Leeds haben in ihrer Studie bei der Suche nach Faktoren, die den Grad der Schmerzlinderung bei Patienten in den letzten drei Lebensmonaten beeinflussen, die Daten der Erhebung VOICES (National Survey of Bereaved People) aus England aus den Jahren 2011 bis 2015 ausgewertet (BMC Medicine 2019, 17:50).

In der Erhebung wurden in diesen fünf Jahren fast 267.000 Angehörige oder enge Freunde von Verstorbenen zur Qualität der Versorgung im häuslichen Umfeld am Ende des Lebens befragt. Mehr als 110.000 zur Umfrage Eingeladene sandten komplett ausgefüllte Fragebögen zurück.

Schwester Marie Curie

Berücksichtigt wurden nur Patienten, die in den letzten drei Monaten ihres Lebens Schmerzen hatten und zu Hause versorgt wurden. Diese Versorgung konnten etwa speziell ausgebildetes Pflegepersonal oder Hospizangestellte sowie „Macmillan Nurses“ oder „Marie Curie Nurses“ anbieten, die palliativmedizinisch ausgebildet oder auf die Schmerztherapie bei Krebspatienten spezialisiert sind.

Primärer Endpunkt der Studie war, wie gut die Schmerzen gelindert werden konnten. Dabei bedeutete „gut“ komplett schmerzfrei die gesamte Zeit über oder zumindest zeitweise, „schlecht“ bedeutete eine teilweise Linderung der Schmerzen oder gar keine Linderung.

Nur knapp 40 Prozent der Teilnehmer (n = 43.509) erfüllten letztlich die Einschlusskriterien für die Studie. Etwa 52 Prozent der Verstorbenen waren Frauen sowie 60 Prozent derjenigen, die den Fragebogen ausfüllten. 61 Prozent der Patienten waren mindestens 75 Jahre alt. 52 Prozent waren vor dem Tod seit mindestens einem Jahr erkrankt. Knapp 49 Prozent der Patienten starben an den Folgen einer Krebserkrankung.

 Allerdings fehlten unter anderem bei fast 500 Patienten die Angaben darüber, wie lange sie vor dem Tod schon erkrankt waren. Bei 733 Teilnehmern der Umfrage war nicht bekannt, in welchem Verhältnis sie zum Verstorbenen standen. Nach Angaben der britischen Ärzte erhielten 36 Prozent der Verstorbenen zu Hause eine palliativmedizinische Versorgung. 25 hatten angegeben, wo sie vorzugsweise sterben wollten.

Bei fast 80 Prozent der Patienten gab es in den letzten drei Lebensmonaten mindestens einen Kontakt zu Pflegekräften oder Ärzten außerhalb der Dienstzeiten. Der Analyse zufolge lag der Anteil der Patienten, die zu Hause palliativmedizinisch versorgt wurden, bei Krebspatienten deutlich höher als bei Patienten mit anderen Erkrankungen (66 versus zehn Prozent). Ebenso machten deutlich mehr Krebspatienten Angaben über ihren bevorzugten Ort, an dem sie sterben wollten (37 versus 13 Prozent).

Aus den Angaben der Befragten geht hervor, dass bei fast 48 Prozent der Patienten die Schmerzlinderung als „gut“ gewertet wurde. Bei Patienten mit Krebs lag dieser Anteil bei 56 Prozent, bei Patienten mit anderen Erkrankungen dagegen bei 40 Prozent.

Eine gute Schmerzlinderung wurde schließlich eher bei Patienten erzielt, die palliativmedizinisch versorgt worden waren (66 versus 38 Prozent) – unabhängig davon, welche Erkrankung vorlag.

Aus der multivariaten Analyse der Daten geht hervor, dass bei Patienten mit guter Schmerzlinderung die Wahrscheinlichkeit, dass sie palliativmedizinisch versorgt worden waren, signifikant größer war als bei Patienten mit schlechter Analgesie (adjustierte Odds Ratio [aOR]: 2,67).

Das gilt auch für den Zusammenhang mit den Angaben zum bevorzugten Sterbeort (aOR: 1,87). Eine gute Schmerzlinderung wurde zudem eher von den Ehe- oder Lebenspartnern als von den Kindern der Verstorbenen angegeben (aOR: 1,50). Und die Wahrscheinlichkeit einer guten Schmerzlinderung war auch bei Krebspatienten höher als bei Patienten mit anderen Erkrankungen (aOR: 1,08).

Kausaler Zusammenhang?

Einschränkend weisen ElMokhallalati und seine Kollegen darauf hin, dass ausschließlich Angehörige der Verstorbenen oder mit diesen eng verbundene Personen im Rahmen der VOICES-Studie befragt wurden. Fehler aufgrund von Erinnerungslücken im Zusammenhang mit der Schmerzlinderung bei der Befragung vier bis elf Monate nach dem Tod des Patienten seien durchaus möglich. Ein kausaler Zusammenhang lasse sich anhand der Studienergebnisse nicht ermitteln.

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