Ärzte Zeitung, 15.05.2009

Ulkus-Prophylaxe schwächelt wegen Scheu vor Coxiben

FRANKFURT AM MAIN (hem). Coxibe sind wegen ihres kardiovaskulären Risikopotenzials in den letzten Jahren kritisiert worden. Mittlerweile hat sich aber herausgestellt, dass sie nicht riskanter sind als die traditionellen nicht-steroidalen Antirheumatika (tNSAR). Sträflich vernachlässigt wird allerdings ein lange bekannter, positiver Aspekt der selektiven COX-2-Hemmung, nämlich die Verringerung von Ulkus-Komplikationen.

Daran hat Professor Markus Gaubitz aus Münster beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main erinnert. Aufgrund der Angst vor einem Einsatz von Coxiben und der vermehrten Verschreibung von tNSAR habe sich hinsichtlich der Ulkus-Komplikationen eine Präventionslücke ergeben, konstatierte der Experte bei einem von Pfizer unterstützten Symposium. Auch sei vielen Ärzten nicht bewusst, dass das Risiko einer Ulzeration im unteren Gastrointestinaltrakt nach tNSAR-Gabe ähnlich hoch ist wie im oberen. Jenseits von Magen und Duodeneum jedoch könne die zusätzliche Gabe eines Protonenpumpenhemmers keine schützende Wirkung entfalten.

Aktuelle Metaanalysen bestätigen den Vorteil der Coxibe.

Als großes Problem bezeichnete Gaubitz, dass 80 Prozent der Ulkus-Patienten unter tNSAR anfangs keine Symptome haben. Wichtig sei deshalb eine vorsorgliche Risikoeinschätzung. Besonders gefährdet, ein Ulkus nach tNSAR-Therapie zu entwickeln, sind Patienten mit gastrointestinalen Blutungen in der Anamnese sowie Menschen im Alter über 60 Jahren. Außerordentlich stark gefährdet seien Patienten unter Komedikation mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Ihr Risiko steige um das 15-Fache, warnte Gaubitz.

Aktuelle Metaanalysen bestätigen indes den Vorteil der Coxibe im Vergleich zu den tNSAR. Die Ulkus-Häufigkeit wird demzufolge um bis zu 75 Prozent vermindert. Dem reduzierten Risiko tragen laut Gaubitz auch die aktuellen Leitlinien-Empfehlungen Rechnung. So wird die zusätzliche Verwendung eines Protonenpumpenhemmers bei kombinierter Gabe von ASS und tNSAR immer angeraten. Beim Einsatz eines Coxibs zusammen mit ASS ist dies nur dann nötig, wenn zugleich ein Risikofaktor für eine gastrointestinale Blutung vorliegt.

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