Ulkus-Prophylaxe schwächelt wegen Scheu vor Coxiben

FRANKFURT AM MAIN (hem). Coxibe sind wegen ihres kardiovaskulären Risikopotenzials in den letzten Jahren kritisiert worden. Mittlerweile hat sich aber herausgestellt, dass sie nicht riskanter sind als die traditionellen nicht-steroidalen Antirheumatika (tNSAR). Sträflich vernachlässigt wird allerdings ein lange bekannter, positiver Aspekt der selektiven COX-2-Hemmung, nämlich die Verringerung von Ulkus-Komplikationen.

Veröffentlicht:

Daran hat Professor Markus Gaubitz aus Münster beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main erinnert. Aufgrund der Angst vor einem Einsatz von Coxiben und der vermehrten Verschreibung von tNSAR habe sich hinsichtlich der Ulkus-Komplikationen eine Präventionslücke ergeben, konstatierte der Experte bei einem von Pfizer unterstützten Symposium. Auch sei vielen Ärzten nicht bewusst, dass das Risiko einer Ulzeration im unteren Gastrointestinaltrakt nach tNSAR-Gabe ähnlich hoch ist wie im oberen. Jenseits von Magen und Duodeneum jedoch könne die zusätzliche Gabe eines Protonenpumpenhemmers keine schützende Wirkung entfalten.

Aktuelle Metaanalysen bestätigen den Vorteil der Coxibe.

Als großes Problem bezeichnete Gaubitz, dass 80 Prozent der Ulkus-Patienten unter tNSAR anfangs keine Symptome haben. Wichtig sei deshalb eine vorsorgliche Risikoeinschätzung. Besonders gefährdet, ein Ulkus nach tNSAR-Therapie zu entwickeln, sind Patienten mit gastrointestinalen Blutungen in der Anamnese sowie Menschen im Alter über 60 Jahren. Außerordentlich stark gefährdet seien Patienten unter Komedikation mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI). Ihr Risiko steige um das 15-Fache, warnte Gaubitz.

Aktuelle Metaanalysen bestätigen indes den Vorteil der Coxibe im Vergleich zu den tNSAR. Die Ulkus-Häufigkeit wird demzufolge um bis zu 75 Prozent vermindert. Dem reduzierten Risiko tragen laut Gaubitz auch die aktuellen Leitlinien-Empfehlungen Rechnung. So wird die zusätzliche Verwendung eines Protonenpumpenhemmers bei kombinierter Gabe von ASS und tNSAR immer angeraten. Beim Einsatz eines Coxibs zusammen mit ASS ist dies nur dann nötig, wenn zugleich ein Risikofaktor für eine gastrointestinale Blutung vorliegt.

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Therapie

Die Chancen der Vitamin-C-Hochdosis-Therapie nutzen

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Medizinischer Infusions-Tropf mit buntem Hintergrund

© Trsakaoe / stock.adobe.com

Hochdosis-Therapie

Vitamin C bei Infektionen und Long-COVID

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Maximale Vitamin-C-Blutspiegel nach oraler (blau) und parenteraler (orange) Tagesdosis-Gabe.

© Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH

Vitamin-C-Infusion

Parenterale Gabe erzielt hohe Plasmakonzentrationen an Vitamin C

Anzeige | Pascoe pharmazeutische Präparate GmbH
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Abb. 2: Schneller Wirkeintritt von Naldemedin im Vergleich zu Placebo in den Studien COMPOSE-1 und COMPOSE-2

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [15]

Opioidinduzierte Obstipation

Selektive Hemmung von Darm-Opioidrezeptoren mit PAMORA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Viatris-Gruppe Deutschland (Mylan Germany GmbH), Bad Homburg v. d. Höhe
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Systematisches Review

Kortikosteroide bei schwerer Pneumonie wahrscheinlich nützlich

Lesetipps
Eine Frau fässt sich mit den Händen an die Brust

© Art_Photo / stock.adobe.com

Unterschiede der Geschlechter

Herzinfarkte und Ischämie bei Frauen: Was ist wirklich anders?