Ärzte Zeitung online, 09.05.2014
 

Neuer Ansatz

Antikörper gegen Migräne

Humanisierte Anti-CGRP-Antikörper könnten künftig Patienten mit chronischer Migräne helfen. Das legen zumindest zwei Phase-II-Studien nahe, die auf der diesjährigen AAN-Jahrestagung in Philadelphia vorgestellt wurden.

Von Gunter Freese

Monoklonale Antikörper gegen Migräne

Migräne: Forscher erproben neue Ansätze zur Prophylaxe.

© fred goldstein / fotolia.com

PHILADELPHIA. In Deutschland sind zur Migräneprophylaxe Betablocker wie Propranolol und Metoprolol, Flunarizin sowie die Antikonvulsiva Valproinsäure und Topiramat zugelassen. Außerdem ist Amitriptylin wirksam. Humanisierte Anti-CGRP-Antikörper könnten künftig eine Alternative darstellen.

Dass CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) an der Pathophysiologie der Migräne entscheidend beteiligt sind, ist schon länger bekannt.

In zwei auf der diesjährigen AAN-Jahrestagung in Philadelphia vorgestellten Phase-II-Studien wurden nun erstmals monoklonale Antikörper gegen CGRP auf ihre Wirksamkeit in der Migräneprophylaxe untersucht.

In der ersten Doppelblindstudie erhielten 163 Patienten, die an fünf bis 14 Tagen pro Monat an Migräneattacken litten, entweder Placebo oder eine einzige intravenöse Dosis (1000 mg) des Anti-CGRP-Antikörpers ALD403.

Diejenigen, die den Antikörper erhalten hatten, mussten in den Wochen fünf bis acht im Durchschnitt 5,6 weniger Migränetage pro Monat ertragen (minus 66 Prozent), während es unter Placebo 4,6 Tage weniger waren (minus 52 Prozent). Der Unterschied war statistisch signifikant (p=0,03).

Nach 12 Wochen waren 16 Prozent der Patienten, die den Antikörper erhalten hatten, frei von Migränetagen, was kein Patient unter Placebo erreichte. Eine Reduktion der Migränetage um die Hälfte verzeichneten 60 Prozent (Placebo: 33 Prozent).

Der Unterschied war hoch signifikant. Zwischen den beiden Behandlungsgruppen gab es keine Unterschiede in Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen oder bei den Laborwerten.

In der zweiten Doppelblindstudie erhielten 217 Patienten, die pro Monat vier bis 14 Tagen Migräneattacken hatten, alle zwei Wochen subkutane Injektionen des Antikörpers LY2951742 oder Placebo.

Nach 12 Wochen hatten die Patienten, die den Antikörper bekommen hatten, durchschnittlich 4,2 Migränetage weniger pro Monat ( minus 63 Prozent), während es unter Placebo nur 3 Tage weniger waren (minus 42 Prozent). Der Unterschied war statistisch signifikant.

Auch bei den sekundären Endpunkten Kopfschmerztage (minus 4,9 versus minus 3,7), Zahl der Migräneattacken (minus 3,1 versus minus 2,3) und Responderrate (70 Prozent versus 45 Prozent) war der Antikörper Placebo überlegen.

Nebenwirkungen wie Schmerzen an der Injektionsstelle, Infektionen der oberen Atemwege und Bauchschmerzen traten unter dem Antikörper häufiger auf als unter Placebo.

Sollten sich diese Effekte in Phase-III-Studien bestätigen, könnte dies den Einstieg in eine neue Ära der Mechanismen-basierten Vorbeugung von Migräne darstellen.

[09.05.2014, 09:42:06]
Heike Drolshagen 
Antikörper gegen Migräne
Es überrascht mich nicht wirklich, dass die im Artikel genannten Antikörper in der Migräneprophylaxe wirksamer sind als Placebo.
Viel interessanter wäre doch die Frage, ob die Migräneprophylaxe mit den Antikörpern der Prophylaxe mit den gängigen Medikamenten wie Betablocker, Flunarizin und Antikonvulsiva überlegen ist, und zwar sowohl in der Wirksamkeit als auch die unerwünschten Wirkungen betreffend.
Ein wichtiger Aspekt ist auch die Frage der Wirtschaftlichkeit der Therapiealternativen! Bei gleicher Wirksamkeit würde ich die bisherigen Therapien, die zudem bereits eine lange Beobachtungszeit hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen unterlagen, bevorzugen. zum Beitrag »

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