Ärzte Zeitung, 10.02.2017
 

Repräsentativbefragung

Wetterfühlig – alles Unfug?

Kommentar von Robert Bublak

Glaubt man den Umfragen, handelt es sich bei der Wetterfühligkeit um ein Volksleiden epidemischen Ausmaßes. So hat in einer Repräsentativbefragung im Auftrag des Umweltbundesamtes vor einigen Jahren jeder zweite Teilnehmer angegeben, das Wetter beeinflusse seine Gesundheit. Vor allem niedrige Temperaturen wirkten sich nachteilig aus, wobei Muskel-, Gelenk und Narbenschmerzen mit Abstand dominierten.

"Alles Unfug", behaupten australische Forscher. Sie konnten in einer Studie keinen Einfluss der Witterung auf das Auftreten von Rückenschmerzen feststellen. Dass viele Erkrankungen mit dem Wechsel der Jahreszeiten zusammenhängen, hat freilich bereits Hippokrates konstatiert. Die Witterung hätte demnach die Leute schon im mediterran temperierten alten Griechenland gepiesackt. Und wir Heutigen, die wir in teils viel wetterlaunischeren Gegenden leben, blieben verschont?

Hier mag ein genauerer Blick auf die Studie weiterhelfen. Untersucht wurde darin, ob das Wetter mit akutem Kreuzweh in Verbindung steht. Wahrscheinlicher ist jedoch ein Zusammenhang mit chronischen Beschwerden. Das legt auch die oben erwähnte Befragung nahe: Ihren Angaben zufolge litten mehr als drei Viertel der Wetterfühligen an chronischen Krankheiten.

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