Ärzte Zeitung online, 31.07.2012

Arthrose

Bei Gelenkersatz ist das Herz in Gefahr

Wenn ältere Patienten ein neues Hüft- oder Kniegelenk erhalten sollen, ist bei der Vorbereitung auch zu berücksichtigen, dass mit dem Eingriff das Herzinfarktrisiko nach oben schnellt.

Bei Gelenkersatz ist das Herz in Gefahr

Laufen mit dem neuen Gelenk - auch ans Herz denken.

© Lisa F. Young / fotolia.com

UTRECHT (BS). Auf das 25- beziehungsweise 31-Fache steigt das Risiko für einen Myokardinfarkt in den ersten zwei Wochen nach einer Hüft- beziehungsweise Knie-Totalendoprothese (TEP).

Anschließend nimmt das Risiko zwar rasch wieder ab, aber zumindest nach der Hüftgelenksoperation bleibt es auch in den folgenden vier Wochen noch um den Faktor 5 erhöht.

Das absolute Risiko, in den sechs Wochen nach einer Op. einen Infarkt zu erleiden, beträgt 0,51 Prozent beim Gelenkersatz in der Hüfte und 0,21 Prozent beim Knie.

Das sind die Ergebnisse einer dänischen Registerstudie, in die landesweit alle Patienten einbezogen waren, die sich zwischen 1998 und 2007 einem dieser Eingriffe unterzogen hatten (Arch Intern Med 2012; online 23. Juli).

Den 66.524 Hüft-TEP- und 28.705 Knie-TEP-Patienten waren 286.165 Kontrollpersonen mit gleicher Alters- und Geschlechtsverteilung, aber ohne eine solche Op. gegenübergestellt worden.

Unter den Gelenkpatienten waren mehr NSAR-Anwender und auch etwas mehr KHK-Patienten, diese Unterschiede wurden aber für die Risikoberechnung abgeglichen. Eine Subgruppenanalyse zeigte, dass eine TEP auch im Vergleich zu einer Hernien-Op. mit einem um den Faktor 22 höheren Infarktrisiko belastet war.

Geeignete Behandlung sicherstellen

Der stärkste Anstieg der Herzinfarktrate infolge einer Gelenkersatz-Operation war bei Patienten ab 80 Jahren zu beobachten. Bei den unter 60-Jährigen dagegen wurde keine signifikante Zunahme von Infarkten festgestellt.

Das 6-Wochen-Risiko eines Herzinfarkts nach Hüft-TEP wurde erwartungsgemäß außer durch das Alter auch durch kardiovaskuläre Vorerkrankungen weiter in die Höhe getrieben, insbesondere durch einen erst kürzlich durchgemachten Herzinfarkt.

Die Studienautoren empfehlen daher, von einem Hüftersatz abzusehen, wenn der Patient innerhalb der letzten zwölf Monate einen Infarkt erlitten hat.

Eine mögliche Erklärung für das Hochschnellen der Infarktraten nach Hüftgelenkersatz sind Knochenmarksembolien, die durch die Verletzung des Markkanals ausgelöst werden können.

Daneben kann natürlich der hämodynamische Stress etwa durch Anästhesie und Blutverlust zusätzlich zum Risikoanstieg beitragen.

Gastkommentator Dr. Arthur Wallace, Anästhesist aus San Francisco, fordert, dass Ärzte "aktiv daran arbeiten", das perioperative Infarktrisiko zu senken.

Ärzte müssten sicherstellen, dass die Patienten in einer Phase mit hohem kardialen Risiko die geeignete Behandlung erhalten. Ein häufiger Fehler sei das Absetzen antiischämischer Medikamente in der perioperativen Situation.

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