Ärzte Zeitung, 11.01.2008

Gichtknoten so groß wie Tennisbälle

Harnsäurekristalle lagern sich nicht nur am Großzehengrundgelenk ab / Auch große Gelenke sind betroffen

NEUMARKT (ner). Bei lang anhaltender Hyperurikämie lagern sich Uratkristalle nicht nur am Großzehengrundgelenk ab, sondern auch an großen Gelenken. So wie bei einem 72-jährigen Mann, der sich mit seit langem bestehenden schmerzlosen Schwellungen an beiden Kniegelenken beim Orthopäden vorstellte.

An beiden Kniescheiben des Mannes fanden Privatdozent Alexander Schuh und Dr. Wolfgang Hönle vom Klinikum Neumarkt tennisballgroße, harte und nicht verschiebbare Schwellungen, die nicht druckschmerzhaft waren (MMW 43, 2007, 5).

Der Patient berichtete, dass er vor Jahren unter Gichtanfällen an beiden Füßen gelitten habe. Die Schwellungen an den Knien bestünden seit Jahren. Neuerdings würden ihm die Kniegelenke Probleme bereiten.

Im Röntgenbild fielen beidseits präpatellare Verkalkungen auf. Es handelte sich um Gichttophi, den Zeichen der chronischen Gicht. Zudem bestand wegen einer fortgeschrittenen Gonarthrose die Indikation zur endoprothetischen Versorgung beider Kniegelenke. Die Neumarkter Orthopäden rieten dazu, die Entfernung der Tophi und die Endoprothesen-Implantation in zwei Schritten vorzunehmen. Denn bei gleichzeitigem Vorgehen sei höchstwahrscheinlich mit Wundheilungsstörungen zu rechnen.

Die Harnsäure im Plasma ist oberhalb von 7 mg/dl gesättigt und es fallen nadelförmige Uratkristalle aus. Sie sammeln sich in gefäßlosen oder gefäßarmen Geweben (Knorpel, Bänder, Sehnen) an, vor allem in kühleren Regionen, etwa den distalen peripheren Gelenken oder Ohrmuscheln. Bei den Tophi handelt es sich um Aggregate von Natriumuratkristallen, die ab einem Durchmesser von 5 mm im Röntgenbild als Läsionen erkennbar sind. Die wie ausgestanzt wirkenden Knochendefekte gehen den subkutanen Tophi voraus. Bei schwerer und lang anhaltender Krankheit finden sich die Ablagerungen auch in großen Gelenken sowie im Parenchym von Organen wie den Nieren.

Manchmal würden Tophi mit Xanthomen oder Kalkeinlagerungen anderer Genese verwechselt, so Schuh und Hönle. In unklaren Fällen müssten die Knoten histologisch untersucht werden.

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