Ärzte Zeitung, 28.03.2008

So einfach ist Bechterew-Screening

Drei Kriterien stützen den Verdacht auf Morbus Bechterew / Studie aus Berlin

WIESBADEN (hub). Über sechs Jahre beträgt die Diagnoseverzögerung bei Patienten mit Morbus Bechterew. Mit drei Parametern wäre ein Screening ganz einfach.

 So einfach ist Bechterew-Screening

Leitsymptom bei Morbus Bechterew ist chronischer Rückenschmerz.

Foto: sebastian kaulitzki©www.fotolia.de

Jeder zwanzigste Patient mit chronischen Rückenschmerzen hat eine ankylosierende Spondylitis (AS, Morbus Bechterew). Anhand von drei Kriterien lassen sich diese Patienten von den anderen Rückenschmerz-Geplagten unterscheiden:

  •   Rückenschmerz ist entzündlich (etwa Morgensteifigkeit, Besserung bei Bewegung, Ansprechen auf NSAR)
  •  Patient ist jünger als 45 Jahre
  •  Test auf HLA-B27 ist positiv

In einer Berliner Studie konnte von 350 Patienten, die diese Kriterien erfüllten, bei 62 Prozent eine AS nachgewiesen werden. Das berichtete Privatdozent Martin Rudwaleit von der Charité Berlin beim Rheuma Update in Wiesbaden. Die Hälfte dieser Patienten hatte bereits eindeutige Röntgenveränderungen im Sinne einer AS. Die andere Hälfte wurde aufgrund des MRT-Befundes als präradiografische axiale AS klassifiziert, so Rudwaleit.

Die Bereitschaft vor allem von Orthopäden, aber auch von Hausärzten, diese Screening-Kriterien bei chronischen Rückenschmerz-Patienten anzuwenden, könnte die Zeit bis zur Diagnose deutlich verkürzen. "Bei anderen Rheuma-Erkrankungen ist das bereits gelungen", sagte Rudwaleit. "Bei Rheumatoider Arthritis lag dieser Zeitraum 2004 bei etwa einem Jahr, zehn Jahre zuvor noch bei zwei Jahren". Auch bei Psoriasis-Arthritis sei diese Zeit mehr als halbiert worden. Bei AS hingegen gebe es eine Stagnation bei etwa sechs Jahren.

Rudwaleit wies daraufhin, dass eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) bei AS-Patienten mit bis zu sieben Prozent häufig sei. Kollegen sind gut beraten, bei entsprechenden Symptomen ihrer AS-Patienten, eine CED beim Gastroenterologen abklären zu lassen. Als Therapeutika für diese Patienten kommen dann TNFα-Blocker infrage: Infliximab (Remicade®) bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa und Adalimumab (Humira®) bei M. Crohn.

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