Ärzte Zeitung, 11.10.2011

Kommentar

Das alltägliche Dilemma

Von Marlinde Lehmann

In ihrer Leitlinie "Brustschmerz" bringt die DEGAM, die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin, die Situation von Hausärzten auf den Punkt.

Ja, bei Brustschmerz-Patienten einen Infarkt nicht zu erkennen, ist bedrückend. Ja, es ist korrekt, von einem Dilemma der Primärversorgung zu sprechen, von einer Gratwanderung zwischen den Forderungen, keine ernsthafte Krankheit zu übersehen und gleichzeitig Überdiagnostik und -therapie zu vermeiden.

Genauso wie es korrekt ist, darauf hinzuweisen, dass immer wieder Fehler passieren. Menschliche Bewertungen und Einschätzungen haben nun einmal keine 100prozentige Sensitivität und Spezifität. Korrekt ist aber auch der Hinweis: Gerade Hausärzte sind Spezialisten der erlebten Anamnese.

Das heißt: Je länger sie Patienten kennen, um so zuverlässiger können sie ihre Angaben und Selbsteinschätzungen beurteilen. Korrekte und schnelle Diagnosen sind also durchaus dieser besonderen Fähigkeit von Hausärzten zu verdanken.

Hausärzte, die die Leitlinie zur Hand nehmen, finden sich bestätigt, lesen weiter: Beste Bedingungen für die DEGAM, in puncto "Brustschmerz" bei der Primärversorgung etwas zu bewegen, etwas zu verbessern.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Brustschmerz leicht einschätzen - mit dem Marburger Herz-Score

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