Ärzte Zeitung, 01.03.2012

Gicht und Herzinsuffizienz - schlechte Kombi

Gicht ist ein unabhängiger Risikofaktor für Herzinsuffizienz. Haben Patienten beide Erkrankungen, ist ihre Sterberate höher als bei jenen nur mit Herzinsuffizienz.

Von Michael Hubert

Gicht und Herzinsuffizienz - schlechte Kombi

Weichteiltophus am linken Großzehengrundgelenk bei einem Patienten mit Gicht.

© Prof. H. S. Füeßl, München

PALO ALTO. Die Herzinsuffizienzrate bei Gicht-Patienten ist 1,8-fach höher als bei Patienten ohne Gicht. Das Risiko für eine abnormal niedrige linksventrikuläre Auswurffraktion ist sogar fast vierfach höher.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine bevölkerungsbasierte Studie (Framingham Offspring Study).

Darin wurden seit 1971 Daten von fast 5000 Teilnehmern im Vierjahresrhythmus erhoben (BMJ Open 2012; 2: e000282).

Bei der ersten Untersuchung waren die Teilnehmer im Mittel 36 Jahre alt, 52 Prozent waren Frauen.

202 der Teilnehmer entwickelten eine Herzinsuffizienz. Das entspricht einer Inzidenz von 1,5 pro 1000 Personenjahren (PJ). Aufgeschlüsselt nach Geschlecht, lag die Inzidenz bei 2,2 für Männer und 0,8 für Frauen pro 1000 PJ.

Die Sterberate bei den Patienten mit Herzinsuffizienz war wie zu erwarten deutlich höher als bei jenen ohne die Erkrankung, und zwar um das fast Vierfache. 22 der Patienten mit Herzinsuffizienz hatten auch eine gesicherte Gicht. Von dieser Gruppe starben 16 Patienten (73 Prozent), von den Patienten mit Herzinsuffizienz ohne Gicht waren es 61 Prozent.

Gicht erhöht Sterberate bei Patienten mit Herzinsuffizienz

Die aktuelle Studie füge der Vorstellung, Gicht habe deutliche Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System, weitere Evidenz hinzu, so Professor Eswar Krishnan von der Stanford University in Palo Alto in Kalifornien.

Eine aktive Gicht habe auch in anderen Studien bei Patienten mit Herzinsuffizienz die Sterberate zusätzlich erhöht, berichtete Krishnan. Bei Herzinsuffizienz nehme die maximale Sauerstoffaufnahme mit steigenden Harnsäurewerten ab.

Erhöhte Harnsäurespiegel führen zudem zu erhöhten Werten von Entzündungsmarkern und zu oxidativem Stress. Harnsäure könne zudem die Stickoxidproduktion von Endothelzellen in den Gefäßen hemmen und so negativ auf die Gefäßdilatation wirken.

Gicht sei damit ein beeinflussbarer Risikofaktor für eine Herzinsuffizienz. Dass eine harnsäuresenkende Therapie die klinischen Ergebnisse bei Patienten mit Herzinsuffizienz verbessern kann, sei bereits berichtet worden, so Krishnan.

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