Ärzte Zeitung online, 18.09.2017
 

Rheumatoide Arthritis

Gutes Sicherheitsprofil von Kortikoiden in niedriger Dosis

Eine niedrig dosierte Glukokortikoidtherapie bei früher rheumatoider Arthritis ist als gut verträglich anzusehen. Das geht aus den Sieben-Jahres-Ergebnissen einer Studie hervor, die französische Rheumatologen vorgelegt haben.

Von Robert Bublak

Gutes Sicherheitsprofil von Kortikoiden in niedriger Dosis

Rheumatoide Arthritis: Wegen der möglichen unerwünschten Wirkungen stößt der Einsatz von Glukokortikoiden auch auf Vorbehalte. Astrid Gast/Getty Images/iStock

MONTPELLIER. Glukokortikoide sind ein potentes Mittel in der Behandlung von Patienten mit rheumatoider Arthritis. Wegen der möglichen Nebenwirkungen stößt der Einsatz dieser Medikamente aber auch auf Vorbehalte. Wie sich die Verträglichkeit einer niedrig dosierten Kortikoidtherapie der frühen aktiven rheumatoiden Arthritis über einen Zeitraum von sieben Jahren betrachtet darstellt, hat ein Rheumatologenteam um Dr. Camille Roubille von der Universität Montpellier untersucht (Ann Rheum Dis 2017; online 4. Mai).

Tagesdosen unter 5 mg Prednison

Beteiligt waren 602 Patienten der ESPOIR-Studie (Étude et Suivi des Polyarthrites Indifférenciées Récentes) im Durchschnittsalter von 48 Jahren. 386 erhielten während der Nachbeobachtung Kortikoide über einen unterschiedlich langen Zeitraum: 312 standen länger als sechs Monate unter Kortikoiden, 200 mindestens zwei Jahre lang und 69 während sechs bis sieben Jahren.

Die verwendeten Tagesdosen lagen meist unter 5 mg Prednison. Die mittlere Prednison-Tagesdosis – berechnet für jeden behandelten Patienten als Gesamtmenge von Kortikoiden in Prednisonäquivalent geteilt durch die Gesamtdauer der Nachbeobachtung – betrug 3,1 mg. Patienten unter Glukokortikoiden hatten im Vergleich zu solchen, die ohne Kortikoid auskamen, eine höhere Krankheitsaktivität und einen höheren Verbrauch an nichtsteroidalen Antirheumatika sowie an Basistherapeutika (DMARDs). Um einer dadurch drohenden indikationsbedingten Verzerrung der Ergebnisse zu entgehen, berücksichtigten Roubille und Kollegen die je nach Krankheitsschwere unterschiedliche Wahrscheinlichkeit für die Kortikoidverordnung in ihren Vergleichen mit dem kortikoidfreien Patientenkollektiv.

Kein signifikanter Zusammenhang

In den solcherart angeglichenen Berechnungen zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied im nebenwirkungsbezogenen Endpunkt der Studie, als welcher das Gesamt aus Tod, kardiovaskulären Komplikationen (einschließlich Myokardischämie, zerebrovaskulärer Zwischenfälle und Herzschwäche) sowie Frakturen und schweren Infektionen definiert war. Insgesamt gingen 65 Endpunktereignisse in die Analyse ein (sieben Todesfälle, 14 kardiovaskuläre Erkrankungen, 19 Infektionen und 25 Knochenbrüche), 44 bei Patienten mit und 21 bei Patienten ohne Kortikoidtherapie.

Positives Sicherheitsprofil

Weder die kumulative Kortikoiddosis noch die Dauer der Therapie wirkten sich auf das Überleben der Patienten aus. "Diese Befunde untermauern das positive Sicherheitsprofil einer sehr niedrig dosierten Glukokortikoidtherapie bei früher rheumatoider Arthritis", so das Fazit der französischen Mediziner. Gestützt werde damit auch die Empfehlung, Kortikoide – zusammen mit DMARDs – gegen frühe rheumatoide Arthritis so kurz und so niedrig dosiert wie möglich einzusetzen.

Ergebnisse der Studie

- Beteiligt waren 602 Patienten der ESPOIR-Studie.

- 386 erhielten Kortikoide über einen unterschiedlich langen Zeitraum, davon 312 länger als sechs Monate, 200 mindestens zwei Jahre und 69 sechs bis sieben Jahre lang.

- Die Prednison-Tagesdosis lag im Mittel bei 3,1 mg.

- Weder die kumulative Kortikoiddosis noch die Dauer der Therapie wirkten sich auf das Überleben aus.

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