Ärzte Zeitung online, 07.08.2013
 

In der Urologie

Impulse für eine personalisierte Krebstherapie

Das gemeinsame Anliegen der europäischen urologischen Grundlagenforscher und der Deutschen Gesellschaft für Urologie: Immer stärker individualisierte Therapien bei fortgeschrittenen Tumoren von Nieren, Harnblase und Prostata.

DRESDEN. Forschung und klinische Versorgung in der Urologie rücken enger zusammen: Vom 25. bis 28. September 2013 halten die europäischen urologischen Grundlagenforscher und die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) ihre Jahrestagungen unter einem Dach in der Messe Dresden ab.

Ihr gemeinsames Anliegen sind immer stärker individualisierte Krebstherapien bei fortgeschrittenen Tumoren von Nieren, Harnblase und Prostata.

"Wir wollen die Chance nutzen, voneinander zu lernen", so die Präsidentin der EAU Section of Urological Research (ESUR), Professor Kerstin Junker in einer Mitteilung der DGU vorab zum Kongress.

Auch DGU- und Kongresspräsident Professor Michael Stöckle erwartet Innovationskraft von der Begegnung: "Wenn Kliniker sehen, was in der Forschung möglich ist und umgekehrt die Grundlagenforscher besser verstehen, wo die klinischen Probleme sind, können neue Forschungsimpulse und damit langfristig neue Behandlungserfolge entstehen."

Molekulare Therapien beim Nierenzell-Ca

Schon heute kommen beim metastasierten Nierenzellkarzinom immer häufiger zielgerichtete Therapieverfahren der systemischen Therapie zum Einsatz, die in spezifische Signalwege in den Tumorzellen eingreifen.

Sie hemmen die Angiogenese im Tumor und können so sein Wachstum und die Entwicklung von Metastasen verlangsamen. Etwa 75 Prozent der Patienten profitieren von diesen molekularen Therapien.

Bei rund einem Viertel der Patienten hingegen wirken die Medikamente nicht oder müssen wegen starker Nebenwirkungen abgesetzt werden. Deshalb fahnden urologische Grundlagenforscher weltweit intensiv nach Resistenzmechanismen der systemischen Therapie bei fortgeschrittenen Nierenzellkarzinomen, deren verschiedene Subtypen unterschiedliche molekulare und genetische Merkmale aufweisen.

Mithilfe von Biomarkern wollen die Forscher vor Therapiebeginn herausfinden, welcher Wirkstoff in welcher Dosierung dem einzelnen Patienten am meisten nutzt.

"Inzwischen konnte eine Reihe potentieller diagnostischer, prognostischer und prädiktiver Marker identifiziert werden", wird Junker in der Mitteilung der DGU zitiert.

In einem nächsten Schritt, so die Leiterin des Forschungslabors an der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum des Saarlandes, müsse nun deren Wertigkeit in der Klinik geprüft werden. "Unsere Suche gilt Markern, die eine individuelle Therapieentscheidung ermöglichen und zukünftig in der Routinediagnostik eingesetzt werden können."

Fokus auch auf Harnblasen- und Prostata-Ca

Beim fortgeschrittenen Harnblasenkarzinom sind Grundlagenforscher und Kliniker ebenfalls auf der Suche nach den Ursachen von Therapieresistenzen und neuen Behandlungsoptionen.

Dabei geht es in Dresden auch um die Frage, inwieweit Patienten von neuen Erkenntnissen profitieren können, die in veröffentlichten Großstudien zum Harnblasenkarzinom erhoben wurden, die aber nur zum Teil Eingang in geltende Behandlungsleitlinien gefunden haben.

Marker zur molekularen Charakterisierung aggressiver Prostatakarzinome und die Sequenztherapie des metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinoms sind unter anderem Gegenstand des Prostatakrebs-Forums von ESUR und DGU. (eb)

www.dgu-kongress.de

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