Ärzte Zeitung, 01.04.2010

Überaktive Blase nicht immer von Dauer

Imperativer Harndrang kann nicht nur fortschreiten, sondern sich langfristig auch wieder zurückbilden

DÜSSELDORF (ars). "Muss ich denn jetzt immer mit den Symptomen einer überaktiven Blase leben?" Diese Frage, die viele Patientinnen nach der Diagnose stellen, können Ärzte mit Hinweis auf eine große schwedische Studie beantworten: Demnach besteht langfristig eine gute Chance auf Remission.

Im Verlauf von 16 Jahren verschwinden die Symptome vollständig bei knapp der Hälfte jener Frauen, die eine überaktive Blase ohne Inkontinenz haben (trockene ÜAB). Und immerhin ein Viertel der Frauen, bei denen die überaktive Blase von ungewolltem Harnabgang begleitet ist (nasse ÜAB), kann für denselben Zeitraum eine völlige Remission der Beschwerden erwarten. Diese Zahlen belegen, dass der ÜAB dynamische Prozesse zugrunde liegen, die nicht nur fortschreiten, sondern auch zurückgehen, wie Universitätsdozent Stephan Madersbacher beim Uro Update in Düsseldorf erläutert hat.

Bisher sei über den natürlichen Verlauf kaum etwas bekannt gewesen, erläuterte der Urologe vom Donauspital in Wien. Diese Lücke füllt nun die Longitudinalstudie, für die Wissenschaftler aus Göteborg im Zeitraum von 1991 bis 2007 rund 1400 Frauen wiederholt befragt haben (Eur Urol 55, 2009, 783).

Einer einzelnen Frau allerdings, die gerade starke Beschwerden hat, nütze die Hoffnung auf eine spontane Besserung zunächst wenig, so dass eine Anticholinergika-Therapie indiziert sein könne, sagte Professor Markus Hohenfellner aus Heidelberg zur "Ärzte Zeitung". Auf Dauer seien dann Auslassversuche sinnvoll, um zu prüfen, ob die Symptome nachgelassen haben oder ob eine Fortsetzung der Therapie nötig ist.

Typisch für die ÜAB ist der imperative Harndrang mit gehäuften Blasenentleerungen tags und nachts, ohne dass ein Harnwegsinfekt oder andere offensichtlich pathologische Reaktionen vorliegen. Die Störung ist weit verbreitet: Bei Männern und Frauen über 60 hat jeder Fünfte eine ÜAB, wie Madersbacher in einer eigenen Erhebung ermittelt hat.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Alltags-Chemikalien schaden dem Sperma

In einer Studie an Spermien haben Forscher schädliche Effekte von Alltagschemikalien festgestellt. Problematisch: Die Einzelstoffe potenzieren ihre Wirkung gegenseitig. mehr »

Nervenärzte schlagen Alarm

Der Spitzenverband ZNS ist besorgt: Die Versorgung von Demenz-, Parkinson- und Schlaganfallpatienten gerate in Gefahr, warnen die Nervenärzte. mehr »

Das läuft falsch bei der Diabetes-Vorsorge

Viele Versuche, Diabetes und Adipositas vorzubeugen, sind zum Scheitern verurteilt: Gesundheitstage an Schulen und eine Zuckersteuer gehören dazu. Diabetes-Experte Prof. Stephan Martin würde die Ressourcen anders verteilen. mehr »